Post von oben : Evangelische Kirche startet Briefkampagne

Die Evangelische Kirche will mit einem Brief engere Bande zu ihren Mitgliedern knüpfen.

Benjamin Lassiwe

„Heute bekommen Sie Post von Ihrer Kirche, und die will nichts von Ihnen.“ So beginnt ein Brief des Berliner Generalsuperintendenten Ralf Meister, den mehr als 370 000 evangelische Christen in weiten Teilen Berlins am 2. Januar in ihrem Briefkasten finden werden. Natürlich trügt der erste Satz des Schreibens: Mit der 140 000 Euro teuren Briefaktion will die evangelische Kirche neuen Kontakt zu Kirchenmitgliedern knüpfen, die im Alltag kaum Beziehungen zu einer Gemeinde haben.

„Wir wollen den Menschen einen geistlichen Impuls und ein Zeichen der Wertschätzung zukommen lassen“, sagte Meister bei der Vorstellung der Aktion am Dienstag. In dem Brief dankt der Theologe den Empfängern dafür, dass sie „als Mitglied unserer Kirche“ die Stadt „gerechter und menschlicher machen“ und lädt ein, aus den eigenen Hoffnungen und Träumen ein persönliches Gebet für das neue Jahr zu formulieren. Entstanden ist die Kampagne auf Initiative der Öffentlichkeitsbeauftragten einiger Berliner Kirchenkreise. Auch die Kosten werden von den Kirchenkreisen übernommen. Allerdings beteiligen sich nur acht der zwölf Berliner Kirchenbezirke. Deswegen werden Christen in Charlottenburg oder Pankow Post erhalten, in Reinickendorf oder Spandau hingegen nicht. Manche Kreise hätten nicht rechtzeitig über eine Beteiligung entschieden, anderen sei die Aktion zu teuer gewesen, sagt Meister.

Ganz unerfahren ist die evangelische Kirche nicht, was Briefe an die Mitglieder betrifft: Während der „Pro-Reli“- Kampagne hatte der damalige Bischof Wolfgang Huber in mehreren Briefen die Kirchenmitglieder um Zustimmung zum Volksentscheid gebeten. Daraufhin gab es positive Reaktionen. Doch mindestens 100 Menschen traten nach Angaben eines Kirchensprechers aus der Kirche aus. „Die neue Aktion lässt sich damit aber nicht vergleichen“, sagt Ralf Meister. „In diesem Brief wird niemand aufgefordert, irgendwo mitzumachen.“

Dennoch wisse keiner, wie die Empfänger reagieren werden: Ähnliche Briefe seien in Deutschland bislang nicht verschickt worden. In den nächsten fünf Jahren soll die Kampagne auf jeden Fall fortgesetzt werden, sagt der Generalsuperintendent. „Und ich hoffe, dass dann alle Berliner Kirchenmitglieder einen Brief erhalten.“Benjamin Lassiwe

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