Postcheckamt Kreuzberg : Baustadtrat will Bürgerbeteiligung bei Prestige-Bauprojekt

Das Projekt Vertical Village am Halleschen Ufer soll breit diskutiert werden. Baustadtrat Schmidt will Konflikte wie in der Rigaer Straße verhindern.

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Der Postbank-Tower am Halleschen Tor in Kreuzberg
Der Postbank-Tower am Halleschen Tor in KreuzbergFoto: Kai-Uwe Heinrich

In den Hochglanzbroschüren der CG-Gruppe ist das Prestigeprojekt „Vertical Village“ am Halleschen Ufer längst Realität, doch in Kreuzberg noch lange nicht. Christoph Gröner, Chef der CG-Gruppe, hat sich in der Planungsphase schon mehrfach mit den Bezirksverordneten angelegt. Seit Florian Schmidt (Grüne), der sich selbst als Stadtaktivist beschreibt, die Baupolitik des Bezirks bestimmt, haben sich die Chancen für das Projekt eher noch verschlechtert.

Am Donnerstagabend kamen rund 60 Interessierte zur ersten öffentlichen Diskussion über das CG-Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Postscheckamts, das Gröner 2014 gekauft hat. Gerechnet hatte der Bezirk mit deutlich mehr Beteiligung. Die Postbanker haben den Büroturm inzwischen komplett geräumt, theoretisch könnte jetzt der Umbau in ein Apartmenthaus beginnen. Weil sich die Planungen verzögert haben, wird mit einem Baubeginn nicht vor 2019 gerechnet.

Neben kleinen Wohnungen für „digitale Nomaden“ sollen auf dem Grundstück auch ein Hotel, eine Kita, ein Boarding-Haus und geförderte Sozialwohnungen entstehen. Insgesamt 711 Wohnungen sind derzeit im Gespräch, davon haben 132 nur ein Zimmer.

Wenig Begeisterung bei den Zuhörern

Das Projekt selbst löste bei den Zuhörern wenig Begeisterung aus, grundsätzlich abgelehnt wurde es aber auch nicht. Kritisch sahen einige Redner die dichte Bebauung der Freiflächen. Die Planer verweisen darauf, das Quartier nach allen Seiten öffnen zu wollen, die Wege und Höfe sollen öffentlich zugänglich sein.

Ob ein Gutachten über die Auswirkungen auf die Mieten in der Umgebung geplant sei, wollte ein Anwohner wissen. Baustadtrat Schmidt verneinte, aber darüber könne man noch reden. Nebenan in der südlichen Friedrichstadt hat der Bezirk gerade Milieuschutz beschlossen.

Schmidt sieht die Veranstaltung als Auftakt zu einer breiten Diskussion über das Projekt. Es sei noch nichts beschlossen, jeder könne seine Themen und Wünsche einbringen und mit ihm und den Architekten diskutieren – auch über die Formen der Bürgerbeteiligung. Hintergrund sind die Proteste gegen ein Bauvorhaben desselben Investors in der Rigaer Straße in Friedrichshain, mitten im Kiez der Linksautonomen.

Dort gibt es heftigen Widerstand gegen schicke Neubauwohnungen, die ein bürgerliches Publikum anlocken. Ein Wachmann der CG-Gruppe wurde zusammengeschlagen, Firmenautos wurden angezündet. Gröner sieht sich von der Politik alleingelassen.

Auch Baustadtrat Schmidt zeigt wenig Sympathie für Gröners Projekt „Carré Sama Riga“. Allerdings gibt es inzwischen eine Baugenehmigung, daher kann er nur noch indirekt Einfluss nehmen, etwa über das Projekt am Halleschen Ufer. Solange die SPD die Baupolitik Berlins dominierte, wurden Bauvorhaben den Bezirken entzogen, wenn sich größerer Widerstand abzeichnete. Nach solcher „Gutsherrenart“ will der neue rot-rot-grüne Senat jedoch nicht mehr verfahren. Die Bürgerbeteiligung müsse gestärkt und ausgebaut werden, heißt es im Koalitionsvertrag.

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