Berlin : Postenstreit blockiert umfassende Krebsvorsorge

Vor drei Jahren beschloss der Bundestag flächendeckende Brusttumor-Untersuchungen. In Berlin stockt die Umsetzung

Ingo Bach

Vom Vorreiter auf die hinteren Plätze: Die geplanten Massenuntersuchungen von jährlich über 220 000 Berlinerinnen auf Brustkrebs werden sich verzögern. Ursprünglich sollte das vom Bundestag vor drei Jahren beschlossene so genannte Mammographie-Screening aller Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren am 1. Januar 2006 starten. Gerade die Hauptstadt war bei der Vorbereitung dieses Programms besonders weit. Doch nun droht Berlin ins Hintertreffen zu geraten. Während viele Bundesländer schon an der praktischen Umsetzung der Reihenuntersuchungen arbeiten, rangelt man in Berlin noch immer um Personalien. Es geht um den Chefposten bei der Mammographie-Zentralstelle, in denen die Daten der Frauen verwaltet werden und die sich um Einladung und Terminvergabe für die Betroffenen kümmern soll.

Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätte die Zentralstelle bereits im Oktober 2004 an den Start gehen sollen. Doch wegen des Streits zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und Krankenkassen um die Leitungsfunktion hinkt man dem Plan bereits ein halbes Jahr hinterher. Inzwischen gab die Berliner KV, die die Zentralstelle aufbauen sollte, entnervt den Auftrag zurück. Etwas später stoppten die Kassenärzte auch die bereits angelaufene Ausschreibung für die ärztlichen Leiter der Berliner Screening-Praxen.

Dass der 1. Januar 2006 als Starttermin in Berlin zu halten ist, davon gehen inzwischen weder KV noch Krankenkassen aus. So rechnet der Barmer-Landeschef für Berlin und Brandenburg, Hermann Schmitt, mit Verzögerungen bis mindestens Mitte des kommenden Jahres. Es könnte aber auch noch länger dauern. Derzeit diskutieren die Berliner Kassenchefs, ob man die Zentralstelle nicht dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen zuteilen sollte, so wie in Brandenburg jetzt geschehen. Diese Idee finden aber nicht alle Kassen überzeugend. Man sei auch noch in Gesprächen mit der KV, heißt es von der AOK Berlin. Sollte man sich irgendwann doch einigen, dauert es nach Angaben der KV bis zu einem Jahr, bis die Ausschreibung der Praxisleiter und die technische Vorbereitung der Untersuchungszentren abgeschlossen ist.

Denn das Mammographie-Projekt hat gigantische Ausmaße. Pro Jahr kämen rund 220 000 Frauen für die Vorsorgeuntersuchung in Berlin in Frage. Deren Teilnahme ist freiwillig. Ziel ist es aber, dass sich 70 Prozent aller berechtigten Frauen der regelmäßig alle zwei Jahre stattfinden Untersuchung unterziehen – also über 153 000 Frauen jährlich. Das wären rund 600 Mammographien pro Werktag, verteilt auf vier Berliner Screening-Praxen. Die Ärzte in diesen Praxen tun nichts anderes, als Tag für Tag von gesunden Frauen die Röntgenbilder der Brust zu machen und diese dann auf Hinweise für einen Brustkrebs hin abzusuchen. Durch diese Früherkennung seien jährlich 3000 Krebstote zu vermeiden, sagen Befürworter. Kritiker aber halten es für nicht wissenschaftlich bewiesen, dass dieses Massenscreening von bundesweit jährlich 5 Millionen Frauen tatsächlich so viele Betroffene retten könnte.

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