Postenweg : Senat hielt an Plänen für Mauerweg fest - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren hielt der Gedenkstättenreferent Rainer Klemke nichts von einer "Mogelpackung" - und erteilte dem Vorschlag, den Ausbau der zentralen Mauergedenkstätte zugunsten der Anwohner zu verschieben, eine Absage. Was Christoph Stollowsky darüber schrieb.

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Der Senat bleibt hart. Buchstäblich keinen Zentimeter will er sich vom Konzept des weiteren Ausbaues der zentralen Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße in Mitte und Prenzlauer Berg abbringen lassen. Das betonte am Donnerstag der Gedenkstättenreferent des Senats, Rainer Klemke. Wie berichtet, weigern sich einige Privatanlieger im Bereich zwischen Bernauer und Schönholzer Straße, für das Gedenkprojekt Teile ihrer Gärten zu verkaufen. Doch der einstige Postenweg der DDR-Grenzer, der im Zuge des Projektes erhalten bleiben und teilweise wiederhergestellt werden soll, führt genau über diese Areale.

Gerungen wird jeweils um Streifen von etwa drei bis fünf Metern Breite. Deshalb steht auch zur Debatte, den Verlauf des Gedenkweges zugunsten der aufständischen Anwohner einfach etwas zu verschieben. Aber das lehnt Referent Klemke strikt ab. Es gehe um „einen Erinnerungsort mit authentischen Spuren“, sagt er. „Einen solchen Ort kann man nicht wie eine Autobahn verlegen.“ Klemke betont „die Kraft des Ortes, die erlebbar gemacht werden soll.“ Von einer „Mogelpackung“ hält er nichts: „Wir würden uns lächerlich machen.“ Im Übrigen habe man sich „von Beginn an um Transparenz“ bemüht und die Anwohner über alle Vorhaben unterrichtet.

Die Gedenkstätte für die Berliner Mauer wird seit den späten 90er Jahren Zug um Zug gebaut. Sie entsteht entlang des früheren Postenweges am Südrand der Bernauer Straße zwischen Nordbahnhof und Mauerpark. Der asphaltierte Postenweg ist fast durchgehend erhalten.

1998 wurde an der Ackerstraße bereits das Nationale Denkmal für die Opfer der Mauer eingeweiht, dessen Stahlwände ein Originalstück der Grenzanlage umschließen. Bis 2003 verwirklichte man in der Nähe des Denkmals die Kapelle der Versöhnung und das Dokumentationszentrum. 2009 wurde dann an der Gartenstraße ein Infopavillon eröffnet, in dem die Gedenkstätte vorgestellt wird. Und zwischen Ackerstraße und Bergstraße ist zudem ein 220 Meter langes Originalstück Mauer erhalten, in dessen Fortsetzung zur Gartenstraße hin rostende, 3,30 Meter hohe Stahlstelen die einstige Armierung der Betonmauer symbolisieren.

Solche Stelen sollen bis August 2011 auch bis zur Brunnenstraße den Postenweg kennzeichnen. Daran anschließend werde der weitere Postenweg bis zum Mauerpark „grün eingefasst“, sagt Günter Schlusche von der Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer. Auch Bänke und einen Spielplatz werde es geben. Außerdem Infostelen, die beispielsweise an die dortigen Fluchttunnel erinnern. Ursprünglich sollte dies bis 2012 abgeschlossen sein. Durch den Grundstücksstreit auf diesem Teilstück verzögern sich nun die Arbeiten. Der Senat strebt aber weiter einen „konstruktiven Dialog“ an: Am 29. September ist eine Versammlung mit Anwohnern geplant. Christoph Stollowsky

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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