Potsdam : Älteste Deutsche in Potsdam gestorben

Frieda Müller, Deutschlands ältester Mensch, ist mit 110 Jahren gestorben. Die Potsdamerin wurde am 18. Oktober 1894 geboren.

Potsdam (22.07.2005, 15:41 Uhr) - Frieda Müller ist tot. Sie schlief im Alter von 110 Jahren am Donnerstagabend friedlich in Potsdam ein. Dort hatte sie in einem Pflegeheim bettlägrig und kaum ansprechbar die letzten Jahre ihres Lebens verbracht.

Der 62 Jahre alte Kurt Vogt, ihr Neffe, war der Mensch, der Frieda Müller am besten kannte. «In jungen Jahren war sie eine sehr schöne Frau», sagte er am Freitag der dpa. Er trauert, denn sie sei wie eine zweite Mutter für ihn gewesen. Über ihre letzten Jahre sagt der Neffe: «Es ist schon eine Qual, wenn Menschen nicht mehr so am Leben teilnehmen können.»

Das Reden fällt Kurt Vogt schwer. Er ist scheu geworden, denn zu viele Menschen haben in der letzten Zeit mit ihm über Frieda Müller sprechen wollen. Für einige Monate war sie die älteste Deutsche, nachdem der Düsseldorfer Hermann Dörnemann im Alter von 111 Jahren Anfang März gestorben war.

Sie hat es alles erlebt und konnte es doch nicht mehr erzählen - die Frau, die in Potsdam im damaligen Preußen am 18. Oktober 1894 als Frieda Pauline Luise Ihnenfeld geboren wurde: Die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II., die erste öffentliche Filmvorführung, die Weltwirtschaftskrise 1929, zwei Weltkriege, Mauerbau und Einheit.

Das Leben der gelernten Hutmacherin ist auch eine deutsch-deutsche Geschichte, denn nach dem Zweiten Weltkrieg zog sie mit ihrem Mann Wilhelm, einem Bahnbeamten, in den Westen nach Schweinfurt. Der starb 1958, noch einige Jahre vor dem Mauerbau 1961. Nach der Wende kehrte Frieda Müller 1990 zurück nach Potsdam. Sie kam zusammen mit ihrem Neffen Kurt Vogt. Ihre Geschichten sind eng verbunden, denn Kurt Vogt war nach den Kriegswirren lange vermisst. Frieda Müller fand ihn schließlich wieder. Sie selbst und ihr Mann Wilhelm hatten keine Kinder.

Bald nach der Rückkehr in den Osten musste Frieda Müller in ein Pflegeheim. Seit 1996 wohnte sie im «Haus Abendstern». «Vom ersten Tag an», erzählt Manfred Boesang, Leiter der Potsdamer Einrichtung. «Sie wird eine große Lücke hinterlassen, denn sie war uns sehr ans Herz gewachsen.»

Trotz ihrer Bettlägrigkeit verriet ihr Aussehen bis in die letzten Tage wenig von ihren 110 erlebten Jahren. Sie hatte kaum Falten im Gesicht. «Ihr Arzt kann es auch nicht fassen», sagte Boesang einmal. Er habe immer wieder gefragt: «Wie kann jemand nur so alt und gesund sein?»

In den letzten Wochen ihres Lebens hat Frieda Müller viel geschlafen und klassische Musik gehört. Außerdem genoss sie Nougatschokolade, wie ihre Pfleger erzählten. Doch ihre Geschichte wird sie nie wieder erzählen können, wie es war, ganz früher. Das müssen andere tun. In Berlin, im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, wohnt nach Angaben des Bezirksamtes eine 109 Jahre alte Frau. Sie gilt nun als ältester Mensch Deutschlands. Und vielleicht weiß sie noch genau, wie es war im Kaiserreich und später bis hin zur Deutschen Einheit. (Von Matthias Schröter, dpa)

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