Potsdam : Der Amtsinhaber muss in die Stichwahl

Oberbürgermeister Jakobs tritt am 3. Oktober gegen Linke-Kandidat Scharfenberg an. CDU, Grüne und FDP über Ergebnis enttäuscht.

Sabine Schicketanz
Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs mit Ehefrau Christina bei der Stimmabgabe.
Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs mit Ehefrau Christina bei der Stimmabgabe.Foto: dapd

Potsdam – SPD-Amtsinhaber Jann Jakobs hat die ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl in Potsdam klar für sich entschieden. Jakobs bekam nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 41,7 Prozent der Stimmen und lag damit knapp acht Prozent vor Linke-Kandidat Hans-Jürgen Scharfenberg (33,1 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 45,9 Prozent. Da alle Kandidaten die absolute Mehrheit verfehlten, kommt es am 3. Oktober zur Stichwahl. Damit erlebt die Landeshauptstadt eine Wiederauflage des Duells zwischen Jakobs und Scharfenberg von 2002. Damals gewann Jakobs mit einem Vorsprung von 122 Stimmen.

Das Ergebnis macht deutlich: Andere Parteien spielen im traditionell roten Potsdam trotz massiven Zuzugs kaum eine Rolle. Die Kandidatinnen von CDU und Bündnisgrünen landeten abgeschlagen. Für Barbara Richstein (CDU) stimmten nur 10,5 Prozent; sie verfehlte deutlich ihr Ziel, in die Stichwahl einzuziehen, und schnitt schlechter ab als der CDU-Kandidat vor acht Jahren. Marie Luise von Halem (Bündnisgrüne) kam auf 6,4 Prozent, sie hatte ein zweistelliges Ergebnis erwartet. Den letzten Platz belegt FDP-Kandidat Marcel Yon (2,1 Prozent) – vor ihm platzierten sich sowohl der Kandidat der Wählergruppe Die Andere (4 Prozent) Benjamin Bauer als auch die Piratenpartei mit Marek Thutewohl (2,2 Prozent).

Für das klare rot-rote Duell machten CDU und Bündnisgrüne vor allem die Vergangenheit Scharfenbergs als Stasi-Spitzel verantwortlich. Der Linke war von 1978 bis 1986 Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit. CDU-Kandidatin Richstein sagte, viele der 127 581 wahlberechtigten Potsdamer hätten Jakobs gewählt, um einen Stasi-Oberbürgermeister Scharfenberg zu verhindern. Der Linke wäre der erste Ex-IM im Oberbürgermeisteramt bundesweit. Außerdem spiegele sich in den schlechten Ergebnissen von CDU und FDP der negative Bundestrend beider wider, der „gigantisch“ sei, so Richstein.

Jakobs und Scharfenberg zeigten sich beide optimistisch für die Stichwahl am 3. Oktober. Der SPD-Amtsinhaber sieht sich in einer guten Ausgangsposition, auch wenn er im Vergleich zu 2002 knapp vier Prozentpunkte weniger geholt hat. In zwei Wochen werde es darum gehen, diejenigen für sich zu gewinnen, die jetzt noch CDU und FDP gewählt hätten, sagte Jakobs. „Das wird ein ordentliches Stück Arbeit.“ Der offiziellen Unterstützung von CDU, Grünen und FDP kann sich Jakobs sicher sein. Laut Vertrag der Rathauskooperation aus SPD, CDU, Grünen und FDP müssen die Parteien bei der Stichwahl den Kandidaten der Kooperation – also Jakobs – unterstützen. Die Grüne von Halem gab bereits gestern ihre Wahlempfehlung für Jakobs ab. Der Linke Scharfenberg sagte, er sei mit dem ersten Wahlgang zufrieden. Er konnte sein Ergebnis im Vergleich zu 2002 um über zwei Prozentpunkte verbessern. Allerdings habe er damit gerechnet, dass der Abstand zwischen ihm und Jakobs geringer werde, so Scharfenberg.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zeigte sich erfreut über den Wahlerfolg seines OB-Nachfolgers. Das Ergebnis sei „eine Anerkennung für Jakobs dafür, wie positiv sich Potsdam sich in den letzten Jahren entwickelt hat“. CDU-Landeschefin Saskia Ludwig sagte, die CDU-Kandidatur in der „rot-roten Hochburg“ Potsdam sei eine „schwierige Aufgabe“ für Ex-Justizministerin Richstein gewesen: „Eine Herausforderung, die nur langfristig gelöst werden kann.“

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