Potsdam : Joop zeigt Wächter vom Schlosspark Sanssouci an

"Lein’ Deine Hunde an oder ich hau’ Dir in die Fresse“ - mit derart wüsten Beschimpfungen soll ein Parkwächter der Potsdamer Schlossgärten Modeschöpfer Wolfgang Joop bedacht haben. Der Wächter weist die Vorwürfe zurück und erstattete seinerseits Anzeige.

Sabine Schicketanz
Joop
Leidenschaftlicher Fahrradfahrer: Modeschöpfer Wolfgang Joop. -Foto: ddp

Potsdam - Der Streit um die neue Parkordnung in den Potsdamer Schlossgärten eskaliert. Zum ersten Mal seit Inkrafttreten der Regeln vor einem Jahr wurde jetzt gegen einen der Parkwächter Strafanzeige gestellt. Beleidigung, Körperverletzung und Volksverhetzung wird dem Mann darin vorgeworfen – und zwar von einem Mitglied der Potsdamer Prominenz: Modedesigner Wolfgang Joop.

Anlass ist ein Vorfall, der sich am Freitagnachmittag im Park Sanssouci ereignete. Joop fuhr – gegen die Vorschrift – auf einem Fahrrad durch den Park, begleitet von Gretchen und Charlotte, seinen unangeleinten Hunden. Der Parkwächter habe ihn unter anderem mit den Worten „Lein’ Deine Hunde an oder ich hau’ Dir in die Fresse“ zurechtgewiesen, gab Joop zu Protokoll. Seinen persischen Fahrer, der ihn begleitete, habe der Parkwächter ausländerfeindlich beschimpft: „Hau ab du blöde Sau“ und „Du Scheiß Ausländer, geh’ mal zurück wo Du herkommst“ soll er gesagt haben. Das weist der Wachmann zurück und erklärte, Joop habe versucht, trotz deutlicher Zeichen anzuhalten, mit dem Rad an ihm vorbeizufahren.

Just zu diesem Zeitpunkt war Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung, mit der Direktorin der Bundesgärten Österreichs in der Nähe unterwegs. Rohde soll den Streit geschlichtet und dem Wachmann später bescheinigt haben, während seiner Anwesenheit „korrekt“ aufgetreten zu sein. Bei der herbeigerufenen Polizei erstattete Joop dennoch Strafanzeige. Allerdings zeigte auch der Parkwächter Joop an – angeblich weil dieser zu den Wachleuten gesagt habe „das sind ja hier alles Rechtsradikale“. Joop selbst weist das zurück. Die Schlösserstiftung wiederum steht hinter ihrem Parkwächter.

Joop sagte gestern dem Tagesspiegel, ihm gehe es nicht um „den Fall Joop“. Es gebe schließlich bereits zahlreiche Beschwerden über das Auftreten der Parkwächter. Touristen seien angefeindet worden und kämen nicht mehr nach Potsdam. Dies schade dem guten Ruf der Stadt. Es müsse „eine öffentliche Debatte“ darüber geben, ob die Ausrichtung der Schlösserstiftung stimme, forderte Joop. Für ihn sei höchst fraglich, ob die Verhältnismäßigkeit der Kontrollen gegeben sei. Die Parks würden „bewacht wie Betriebsgelände“, dazu würden von der Schlösserstiftung oft „zweifelhafte Gestalten mit zweifelhafter Vergangenheit“ eingesetzt. Sie hielten sich nicht an die Anweisung, höflich auf die Einhaltung der Parkordnung hinzuweisen, und hätten teilweise ein „hohes Aggressionspotenzial“. Dass er selbst die Parkordnung bewusst missachtet habe, kommentierte Joop mit den Worten: „Man kann sich ja auch fragen, ob sie Sinn macht.“

Die Schlösserstiftung wies gestern die Vorwürfe Joops zurück. „Wir bedauern die Erregung von Herrn Joop“, sagte Sprecher Ulrich Henze. Die Stiftung werde die polizeilichen Ermittlungen abwarten, doch „aus unserer Sicht hat unser Mitarbeiter richtig gehandelt“, sagte Henze. Der Mann sei seit 30 Jahren für die Stiftung tätig und habe viel Erfahrung. Im Übrigen hätten Prominente bei der Einhaltung der Parkordnung auch eine Vorbildfunktion. Frei laufende Hunde seien weder in der Stadt noch in vergleichbaren historischen Schlossparks europaweit erlaubt.

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