Potsdam : Noch ein Achsbruch bei einer Tram

Die BVG war schlecht informiert: Nach dem Bruch einer Achse bei einer Straßenbahn am Montag hatte das Unternehmen sofort mitgeteilt, einen solchen Vorfall habe es bisher bei diesen Fahrzeugtypen in Deutschland nicht gegeben. Dass es wenige Kilometer entfernt in Potsdam im vergangenen November ebenfalls einen Achsenbruch an einer baugleichen Straßenbahn gab, hatten die Berliner nicht mitbekommen.

Klaus Kurpjuweit
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Stresstest. Die Tram-Achsen sollen häufiger geprüft werden. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Obwohl auch das Potsdamer Fahrzeug ursprünglich in Berlin gefahren war, müsse das Sicherheitskonzept nicht verändert werden – selbst wenn der Achsenbruch nicht einmalig war, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Der Bruch der Achse im November sei in den gemeinsamen Betriebsleiterrunden der Verkehrsbetriebe mitgeteilt worden, sagte der Chef der Verkehrsbetriebe in Potsdam (ViP), Martin Weis. Ursache des Bruchs sei eine zu fest angezogene Lagerschale gewesen. Auch der Bruch der Achse am Montag bei der BVG ist nach Angaben des Unternehmens durch einen Schaden am Lager verursacht worden. Wodurch der entstanden war, ist noch nicht geklärt.

Die BVG will jetzt die Achsen und Lager häufiger als bisher überprüfen. Auch vorher seien die üblichen Wartungsintervalle eingehalten worden, heißt es bei der BVG. Mit den zusätzlichen Kontrollen reagiere man „angemessen und besonnen auf die Situation“, erklärte BVG- Chef Andreas Sturmowski. „Die Sicherheit der Fahrgäste ist unser höchstes Gut“, betonte er.

Die Potsdamer sind nach dem Vorfall einen Schritt weitergegangen. Sie haben nach Angaben von Weis bei Fahrzeugen mit einer hohen Laufleistung vorsichtshalber die Achsen getauscht, obwohl der Bruch durch den Fehler eines Mitarbeiters verursacht worden war.

Bei rund 30 Jahre alten Achsen, die täglich stark belastet würden, sei ein Schaden nie auszuschließen, sagte Weis. Deshalb habe sich der ViP entschlossen, die Achsen zu tauschen und sich dies auch etwas kosten lassen. Einen vorsorglichen Tausch der Achsen hält die BVG dagegen nicht für erforderlich.

Beide Unternehmen wollen sich in den nächsten Jahren von den trotz Modernisierungen inzwischen betagten Tatra-Fahrzeugen trennen, die in Prag für Betriebe der damaligen DDR hergestellt worden waren. Die Bahnen werden durch fabrikneue Fahrzeuge ersetzt.

Der Schaden in Berlin war bei der Fahrt in die Abstellanlage entstanden. Auch bei einem Bruch während einer Fahrt mit Fahrgästen seien diese nicht gefährdet, sagt BVG-Straßenbahnchef Klaus-Dietrich Matschke. Ein kaputtes Lager sei gerade bei höherem Tempo für den Fahrer zu hören, der dann rechtzeitig stoppen könne. Zudem fange die Bahn an zu rumpeln. Exakt so war es in Potsdam. Klaus Kurpjuweit

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