Potsdam und Berlin : Wettlauf um den Wiederaufbau der Stadtschlösser

Bis Ende 2012 soll Potsdam sein Stadtschloss auf dem Alten Markt bekommen. Der Bau des Humboldtforums in Berlin wird wohl etwas länger dauern: Während in der Hauptstadt noch um die Kosten gestritten wird, erfolgt in Potsdam der erste Spatenstich.

Thorsten Metzner
Potsdam Stadtschloss
Potsdamer Wiederaufbau. In der Brandenburgischen Hauptstadt soll das Stadtschloss in seiner historischen Form wieder auferstehen....Foto: dpa

Potsdam/BerlinIm Wettlauf mit Berlin um den Wiederaufbau der Stadtschlösser, die beide zu DDR-Zeiten zerstört wurden, hat Potsdam wieder die Nase vorn. Bis „Ende 2012“ soll dort auf dem Alten Markt das frühere Knobelsdorff-Schloss wieder stehen, als neuer Sitz des Landtages von Brandenburg – oder nach einer möglichen Fusion der Länder auch eines gemeinsamen Parlamentes mit Berlin.

Das kündigte Finanzminister Rainer Speer (SPD) am Freitag an. „Baubeginn ist Anfang 2010“, sagte er, und fügte mit Blick auf die anhaltende Berliner Schloss-Debatte hinzu: „Wir bauen, wenn in Berlin noch um die Kosten gestritten wird.“ Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der als Oberbürgermeister Potsdams 1998 erste Weichen für den Schlossaufbau gestellt hatte, sagte: „Potsdam bekommt einen der schönsten Plätze Europas zurück“.

Der Weg dafür ist frei, nachdem eine Jury aus Architekten, Politikern und Denkmalpflegern zuvor im laufenden Vergabeverfahren für das 120-Millionen-Projekt des neuen Landtages einen Siegerentwurf gekürt hatte. Der setzt, wie berichtet, nicht nur außen, sondern auch im Innenhof auf die Rekonstruktion der historischen Schlossfassaden.

„Das ist angemessen“, sagte der Kölner Architekt Kaspar Kraemer, der Vorsitzende der Bewertungsjury. Zwar hatten zwei der fünf eingereichten Entwürfe – von drei noch im Rennen befindlichen Konsortien – im Innenhof eine „zeitgenössische“ Fassaden-Lösung versucht. Doch habe der „Zusammenklang“, der „Kontrast“ zur historischen Außenfassade „nicht zu überzeugen vermocht“. Parlamentspräsident Gunter Fritsch (SPD) betonte, dass ein „funktionierender Landtag“ errichtet wird. Damit dieser hineinpasst, müsse der Innenhof des Schlosses leicht verkleinert werden.

Möglich gemacht hatte das alles der SAP-Gründer und Milliardär Hasso Plattner, der 20 Millionen Euro für die Schlossfassade gespendet hatte. Plattner, zur Zeit in den USA, begrüßte den Durchbruch. „Ich finde es gut, dass das Schloss so wird, wie es war“, sagte er gestern. „Potsdam bekommt in seinem Zentrum, das so gelitten hat, wieder ein Gesicht.“ Das sei „keine Rückwärtsgewandtheit“. „Künftige Generationen werden dankbar sein, dass man sich dazu durchgerungen hat.“ Das Schloss als Sitz des Landtages sei zudem eine „richtig gute Nutzung“.

So werden die Potsdamer ihr Stadtschloss wohl früher wiederbekommen als die Berliner. In Berlin soll es bis Ende 2013 errichtet werden. Als Nutzer sind die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sowie die Humboldt-Universität und die Landesbibliothek vorgesehen. Nachdem im November 2008 der Italiener Franco Stella den Architektenwettbewerb gewonnen hatte, sind Verzögerungen möglich: So muss Stella seinen Entwurf abspecken, um den Kostenrahmen von 552 Millionen Euro einzuhalten.

Potsdams kleinerer Schloss-Landtag kostet rund 120 Millionen Euro, sagte Speer. Der weitere Fahrplan sieht vor, dass Brandenburg in einem „Dialogverfahren“ bis Sommer mit zwei Konsortien weiterverhandelt – und dann den Zuschlag erteilen will. Dann sollen die Pläne, die wegen des Vergabeverfahrens und Schadenersatzrisiken noch geheim sind, auch im Detail öffentlich vorgestellt werden. 

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