Berlin : Potsdam will Kaserne Krampnitz Ein neuer Stadtteil für 3800 Menschen entsteht

Thorsten Metzner

Potsdam - Die Stadt Potsdam sichert sich nun die affärenumwitterte Krampnitz-Kaserne selbst, um dort in eigener Regie einen Stadtteil für 3800 Menschen zu entwickeln. Das hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Montag angekündigt. Nach seinen Worten sollen bis 2023 auf dem Areal im Norden Potsdams 1600 Wohnungen entstehen. Er bezifferte die Gesamtinvestitionen für das Projekt, zu dem auch der Bau von zwei Kindergärten und einer Grundschule gehören, auf 300 Millionen Euro. Potsdam reagiere damit auf das rasante Bevölkerungswachstum, auf Wohnungsnot und steigende Mieten, sagte Jakobs. „Blaupause“ für das Vorhaben sei das Bornstedter Feld in Potsdam, einem im letzten Jahrzehnt entwickelten Stadtteil mit rund 6000 Einwohnern.

Hinter den Ankündigungen verbirgt sich ein Potsdamer Coup, in dessen Folge das Land Brandenburg in der Krampnitz-Affäre voraussichtlich leer ausgehen wird. Zwar lässt das Finanzministerium gerade die Kaufverträge für die 2007 für nur knapp 4 Millionen Euro veräußerte Landes-Immobilie rückgängig machen, die nach Gutachten der Staatsanwaltschaft damals rund 10 Millionen Euro Wert waren. Die Umstände versucht ein Untersuchungsausschuss im Landtag aufzuklären. Brandenburgs Fiskus wird von der Schadensbegrenzung aber kaum etwas haben. Denn mit der von Jakobs angekündigten Ausweisung des Arals zu einem förmlichen „Entwicklungsgebiet“ sichert sich Potsdam das Filetgrundstück zu einem Schnäppchenpreis, über eine Art Enteignung. Zum Hintergrund: In „Entwicklungsebieten“, härtestes Instrument deutschen Städtebaurechts, sind Spekulationen ausgeschlossen, werden die Immobilienpreise eingefroren.

Potsdam hat damit den Zugriff auf die Immobilie unabhängig von den Eigentumsverhältnissen zum Stichtagswert am Beginn der „vorbereitenden Untersuchungen“, in diesem Falle am 15. Dezember 2010. „Wir gehen davon aus, dass die Immobilie kaum etwas wert ist“, sagte Jakobs. Der Grund liegt an der Gemeinsamen Landesplanung von Berlin und Brandenburg. 2009, zwei Jahre nach dem Verkauf der Krampnitzer Kaserne an dubiose Investoren, war der Landesentwicklungsplan für Brandenburg und Berlin in Kraft getreten. Der aber schließt seitdem die Umwandlung der früheren Kaserne in eine neue Siedlungsfläche aus, was den Immobilienpreis dann senkt. Der Landesentwicklungsplan soll erst jetzt an diesem Punkt geändert werden, das Verfahren läuft. Potsdams Baugbeigeordneter Matthias Klipp (Grüne) rechnet fest damit, dass das Land und Berlin mitziehen. Alles, was den angespannten Wohnungsmarkt Berlin-Potsdam entlaste, liege auch im Interesse Berlins, sagte Klipp. Thorsten Metzner

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