Potsdamer Freitagsgebete : Muslime stellen ihre Predigt jetzt ins Netz

Journalist Constantin Schreiber kritisierte den Verein der Muslime Potsdam als zu konservativ. Seitdem stellt der Verein ein Teil der Freitagsgebete ins Internet.

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Die Freitagsgebete in der Biosphäre Potsdam sind immer gut besucht.
Die Freitagsgebete in der Biosphäre Potsdam sind immer gut besucht.Foto: Sebastian Gabsch

Der Verein der Muslime in Potsdam hat begonnen, wesentliche Teile seiner Freitagsgebete übersetzt auf seiner Internetseite zu veröffentlichen. Dies ist eine Reaktion auf eine öffentliche Debatte um deren Inhalt. „Es ist wichtig anzumerken, dass die Übersetzung der Freitagspredigt trotz Mühe nur einen Teil der Predigt wiederspiegelt“, heißt es vom Verein. Die Predigt wird auf Arabisch gehalten und anschließend ins Deutsche übersetzt.

In der aktuellsten Predigt ging es laut Titel um „Gute Nachbarn“. Ein Moslem sei jemand, der niemandem Schaden zufüge, weder durch seine Worte noch durch seine Taten: „Er achtet die Rechte seines Nachbarn, hilft ihm, wo er kann, und tut nichts, was ihm missfallen würde.“ Weiter heißt es: „Indem wir gute Nachbarn sind, zeigen wir mit unseren Taten auch, was es heißt ein guter Muslim zu sein.“ Vereinssprecher Habib Weide sagte am Montag, die veröffentlichte Übersetzung stelle „den Kern“ der jeweiligen Freitagsgebete dar und werde auch vor Ort auf deutsch verlesen. Eine noch genauere Übersetzung sei für den ehrenamtlich arbeitenden Vorstand der Gemeinde nicht möglich.

Kritik an den Freitagsgebeten

Die teilweise Veröffentlichung ist Folge der Debatte um die Predigten der Gemeinde. Anhand eines besuchten Freitagsgebets hatte der Journalist Constantin Schreiber erklärt, dieses sei für muslimische Geflüchtete integrationshemmend gewesen und habe einen zu konservativen Islam vermittelt. Das hatte Schreiber in seinem Bestseller „Inside Islam“ erklärt, als ähnlich stellte sich die Einschätzung des Landesverfassungsschutzes heraus. Der Potsdamer Imam Kamal Abdallah hatte die Vorwürfe bestritten. Der Verein der Muslime wurde 1998 gegründet und zählt sich zum klassisch-sunnitischen Islam. Der Verein verfolge „ausdrücklich keine politischen oder nationalistischen Ziele“, heißt es auf der Internetseite. „Wir distanzieren uns von Gewalt.“

Für ein von Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) angeregtes Gespräch zwischen Imam und Autor steht bis jetzt kein Termin fest.

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