Berlin : Potsdamer Glücksmomente

Belvedere, Meierei, Marmorpalais: An gleich drei Orten zeigt die Stadt jetzt neuen Glanz und alten Zauber

Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Fortuna meint es gut mit Potsdam, gerade am frühen Morgen und am Abend. Denn bei Sonnenschein zeigt sich die Glücksgöttin zu diesen Tageszeiten im schönsten Licht. Dann glänzt die goldene Figur auf dem Fortunaportal am Alten Markt manchmal so stark, dass sich die Augen ganz von allein schließen. Dann bestimmt die Phantasie die Gedanken.

Irgendwo in der Nähe müssen sich die Mauern des 1960 gesprengten Stadtschlosses befunden haben. Wo jetzt der Verkehr mehrspurig rollt und der Betonbau des Hotels Mercure die Silhouette stört, flanierten also die Könige und ihre Gäste. Doch wenigstens Fortuna schwebt dank eines rührigen Fördervereins seit einiger Zeit wieder auf 1701 erbauten Schlossportal.

Die Göttin des Glücks ist somit der beste Auftakt für einen Stadtbummel durch das an erstaunlich vielen Stellen herausgeputzte Potsdam. Was in Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 2001 viel versprechend begonnen hatte, setzt sich gerade in diesen Wochen und Monaten fort. Eine feierliche Eröffnung folgt auf die andere. Längst gehört das ehemals so prägende Image von der grauen DDR-Bezirksstadt der Vergangenheit an.

Wer daran zweifelt, sollte sich ins Holländische Viertel begeben. Fast alle 130 Backsteinhäuser aus den Jahren 1735 bis 1742 sind renoviert und garantieren ein pulsierendes Leben. In die Gebäude sind Gaststätten und Eckkneipen eingezogen, dazu Geschäfte für Antiquitäten, Kunst, Zigarren, Mode und viele andere Dinge. Viele Inhaber öffnen ihre Läden auch an Wochenenden.

Der nächste Baustil lässt nicht lange auf sich warten. In der Russischen Kolonie Alexandrowka am Reiterweg fühlt sich der Gast tatsächlich an die Moskwa, die Wolga oder in die Weiten Sibiriens versetzt. Neuerdings braucht sich der Rundgang nicht nur auf optische Eindrücke zu beschränken. In das ehemalige Aufseherhaus im Schnittpunkt des vom Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné entworfenen Andreaskreuzes der Wege ist eine Teestube eingezogen. Hier kommen auch russische Speisen und deutsches Bier auf den Tisch. Im Garten gibt es dazu Musik vom Akkordeon. Wer beim Spaziergang die Häuser genau betrachtet, wird auf die Namen „Grigorieff“ und „Schischkoff“ stoßen. Diese Familien stammen tatsächlich noch direkt von den 1812 hier angesiedelten 62 russischen Sängern ab.

Frisch gestärkt, dürfte der Anstieg zum Kapellenberg mit der restaurierten russisch-orthodoxen Kirche keine Probleme bereiten. Geradeaus ginge es weiter zum Pfingstberg, doch zunächst soll der östlich gelegene Neue Garten das Ziel sein. Das dortige Marmorpalais ist Schauplatz für eines dieser vielen Potsdamer Wunder. Zu DDR- Zeiten als Armeemuseum fast aller seiner Schätze beraubt, erhält die 1793 fertig gestellte Sommerresidenz von Friedrich Wilhelm II. ihren frühklassizistischen Glanz dank vieler Spenden zurück. Vom heutigen Sonntag an kann auch der prachtvolle Kloebersaal im Nordflügel wieder bewundert werden. Für 412 000 Euro ist der nach dem Maler August von Kloeber benannte Saal mit Kuppel, Säulen, Stuckverzierungen und Holzfußboden restauriert worden, ebenso Kloebers Gemälde wie „Merkur“ oder das „Bacchusfest“. Die Rekonstruktion des gesamten Palais dauert jedoch noch bis 2015.

Da ging es mit der nahen Meierei bedeutend schneller. 13 Monate brauchte ein Ehepaar, um aus der im früheren Grenzstreifen gelegenen Ruine wieder ein Ausflugslokal zu machen. Das Bier kommt frisch aus der eigenen Brauerei und der Blick auf den Jungfernsee könnte schöner nicht sein.

Und um nun ganz Potsdam noch einmal in den Blick zu nehmen, gibt es keinen besseren Platz als das Belvedere auf dem Pfingstberg. Auch dieses ist inzwischen wieder hergestellt und nicht nur wegen der Aussicht, sondern als Bauwerk schon selbst nichts weniger als spektakulär.

Den würdigen Schlusspunkt des Ausfluges setzt das Krongut Bornstedt. Private Geldgeber haben aus dem italienischen Dörfchen, wie die Hohenzollern ihr Mustergut auch nannten, eine der inzwischen am stärksten besuchten Potsdamer Ausflugsziele gemacht. Restaurants, Kunsthandwerksgeschäfte und vor allem das Flanieren im Innenhof oder am See machen den Reiz des aus den Ruinen geretteten Gutes aus. Gleich in der Nachbarschaft beginnt der Park Sanssouci.

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