Potsdamer Mordversuch : Verdächtige streiten Tatbeteiligung ab

Die beiden des versuchten Mordes an einem Deutsch-Äthiopier verdächtigen 29 und 30 Jahre alten Männer haben vor dem Haftrichter in Karlsruhe bestritten, mit der Tat etwas zu tun zu haben. Zudem haben beide ein Alibi vorgelegt.

Potsdam/Karlsruhe - Nach dem rassistischen Mordversuch an einem Deutsch-Äthiopier in Potsdam bestreiten die beiden Verdächtigen die Tat. «Beide Beschuldigte haben bestritten, mit der Tat überhaupt etwas zu tun zu haben und haben auch ein Alibi vorgelegt», sagte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Freitag in Karlsruhe. Nach der Festnahme der 29 und 30 Jahre alten Deutschen hatte die Bundesanwaltschaft von einer außerordentlichen Brutalität der Tat und Verdachtsmomenten für Ausländerhass als Motiv gesprochen.

Zu einem möglichen rechtsextremistischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund wollte sich Nehm am Freitag jedoch nicht äußern. Die Bundesanwaltschaft gehe auch nach den Vernehmungen der Männer von einem dringenden Tatverdacht wegen versuchten Mordes aus. Nach Angaben Nehms gibt es Augenzeugen für die Tat und DNA-Spuren. Auf Flaschenscherben sei Blut gefunden wurden, das nicht von dem angegriffenen Ingenieur stamme.

Die beiden Verdächtigen, die am Vormittag nach Karlsruhe geflogen worden waren, wurden dort dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt. Dieser sollte über Haftbefehle entscheiden. Der Deutsche äthiopischer Herkunft war weiterhin in Lebensgefahr.

Unterdessen warf Linksfraktionschef Gregor Gysi Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor, den Osten zu beleidigen. Schäuble hatte die Abschottung der Menschen in der früheren DDR für Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Ostdeutschland verantwortlich gemacht. Nach Ansicht der Bundesregierung ist rechtsextreme Gewalt in Ostdeutschland nicht ausschließlich mit der DDR-Vergangenheit der Täter zu begründen. Die meist jugendlichen Täter seien vielfach «in der wiedervereinigten Bundesrepublik geboren und großgeworden» und hätten mit der DDR «nichts zu tun» gehabt, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Nehm kritisierte indirekt den brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), dem zufolge die beiden Männer «bei den uns bekannten rechtsextremistischen Organisationen nicht aktiv waren». Auch die vorzeitige Bekanntgabe einer heißen Spur war nach Angaben Nehms «nicht unbedingt hilfreich für die Ermittlungen». Der CDU- Generalsekretär Brandenburgs, Sven Petke, wies die Kritik zurück. Das Eingreifen des Generalbundesanwalts sei juristisch höchst fragwürdig. Schließlich erledigten Beamte des Landes die Arbeit.

Auf die Spur der Verdächtigen sind die Ermittler Nehm zufolge durch Hinweise der Bevölkerung und die Aufzeichnungen der Stimmen der mutmaßlichen Täter auf der Handy-Mailbox der Frau des Opfers gekommen. Der als Wissenschaftler an einem Potsdamer Institut arbeitende Mann hatte unmittelbar vor der Tat versucht, per Mobiltelefon seine Frau zu erreichen.

Die Bundesanwaltschaft habe die Ermittlungen an sich gezogen, weil sie Vergleiche mit ähnlichen Fällen in den vergangenen Jahren sehe, sagte Nehm. Die Behörde hatte auch beim tödlichen Überfall auf einen 39 Jahre alten Mosambikaner in Dessau (Sachsen-Anhalt) im Jahr 2000 und beim versuchten Mord an zwei Vietnamesen im August 1999 in Eggesin (Mecklenburg-Vorpommern) ermittelt. «Ich war der Meinung, dass die Dinge so parallel liegen und man das nicht hinnehmen konnte», sagte Nehm.

Sollte sich der Verdacht gegen die Festgenommenen bestätigen, droht ihnen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Nach Angaben des Ernst von Bergmann Klinikums in Potsdam war das Opfer - der 37-jährige arbeitet laut Leibniz-Gemeinschaft seit 2001 als Wissenschaftler im Potsdamer Institut für Agrartechnik - auch fünf Tage nach dem Mordversuch in Lebensgefahr. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verurteilte den Angriff. Für Freitagabend hatte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zu einer Solidaritätskundgebung für den zweifachen Familienvater aufgerufen. (tso/dpa)

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