Potsdamer Platz : Der nächste Mieter kommt bestimmt

Der Potsdamer Platz ist eine Erfolgsgeschichte: Für die Planer und Investoren, für die Berliner und die Besucher. Auch der Auszug der Bahn aus ihrem "Tower" das Projekt nicht bremsen.

Ralf Schönball
Potsdamer Platz
Schöne Aussichten. Der Potsdamer Platz ist eine Erfolgsgeschichte. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Eine Busladung Schüler schlurft in Dreier- und Vierergruppen zum Hof des Sony-Centers. Ein graumelierter Mann richtet seine Kamera gegen das weiße Zeltdach. Eine Mutter herzt ihr Kind. Eine Gruppe Rentner lässt sich sachkundig führen, während ein Mann mit businessdunklem Anzug und strengem Gesicht vorbeieilt. Hier spricht man Deutsch, Englisch, Schwäbisch oder Schwedisch, und man schlendert an den großen Fenstern von Lego oder VW, Sony oder Imax vorbei – nur selten reißt der Strom der Passanten zwischen dem Bahnhof Potsdamer Platz und dem Sony-Center ab.

Der Potsdamer Platz ist eine Erfolgsgeschichte: Für die Planer und Investoren, für die Berliner und die Besucher. Doch der zähe wirtschaftliche Wandel von der industriellen Frontstadt zur Hauptstadt des Landes und der Dienstleistungen hinterlässt auch hier seine Spuren: Am Rande des Platzes verdeckt ein blaues Transparent fast die ganze Fassade des geschwungenen Neubaus von Schweger + Partner: „Büros zu vermieten“ steht darauf. Und nun verlässt auch die Bahn „ihren“ Tower: das Hochhaus am Eingang des Platzes. Droht mit Leerstand und Fortzug die Verwaisung des Ortes?

„Das ganze Karree ist fast vollständig vermietet“, sagt Peter Gollas, Manager des 120 000 Quadratmeter großen Sony-Centers. Der Auszug der Bahn beunruhige ihn nicht. Es gebe immer wieder Anfragen von interessierten Mietern. Es sei aber noch viel zu früh, um in Verhandlungen zu treten.

Fragt man Makler nach dem Sony-Center, dann reden sie gerne englisch: Sie nennen das Hochhaus des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn eine „prime location“, deutsch: erste Adresse, ein „landmark“, deutsch: Wahrzeichen, oder auch einen „premium Standort“. Die Fremdwörter bedeuten, dass es keine bessere Lage gibt als diese – und auch kein deutsches Wort, das dessen Qualität auch nur annähernd beschreiben könnte.

Deshalb ist auch das Interesse groß, den japanischen Konzern bei der Suche nach Mietern zu unterstützen. Schwierigkeiten, einen Nutzer für das „Gebäude A“ zu finden, sieht man nicht: „Wir haben Kunden, die seit Jahren auf Flächen im Sony-Center warten“, berichtet ein Mitarbeiter des Maklerhauses Aengevelt. Für „angelsächsische Firmen“ gebe es in Berlin nur zwei Adressen: Potsdamer oder Leipziger Platz „weil sie beide in aller Welt bekannt sind“, sagt sie.

Und namhafte Unternehmen sehen in der Wahl der besten Adresse als Firmensitz den angemessenen Ausdruck für ihren Marktwert. Frank Orthen, Berater von City-Report, macht es an einem Beispiel deutlich: „Eine Werbeplane an einer Fassade des Potsdamer Platzes kostet 150 000 Euro im Monat“, sagt er. Da könne man sich leicht den Wert ausrechnen, den Firmenlenker einem neonbunten Firmenlogo auf dem Dach des Sony-Hochhauses beimessen.

Hartmut Mehdorn hat es vorgemacht. Seit der Schriftzug „Bahn“ auf dem Hochhaus prangt, heißt das Gebäude „Bahntower“ und nicht mehr Sony-Center. Wirtschaftsförderer Christoph Lang sagt: „Der Potsdamer Platz ist prädestiniert für Firmen, die in der Stadt ihre Flagge hissen und sichtbar sein wollen.“ Deshalb liebäugle auch Pfizer damit, dort hinzuziehen. Der Pharmakonzern will mit 500 Mitarbeitern das frühere Volksbank-Gebäude nutzen. Das stand lange leer, würde dadurch aber schon im nächsten Jahr zum sichtbaren Zeichen für den zarten Aufschwung in der Stadt werden.

„Die zentrale Lage, ein interessantes Umfeld und die gute Anbindung mit U- und S-Bahn machen den Platz attraktiv“, sagt Martin Fensch, Sprecher von Pfizer. Dass auch ein anderer Pharmakonzern, Sanofi-Synthelabo, am Platze ist, spiele keine Rolle für die Standortwahl. Eher das „internationale Flair“, sagt er, Pfizer sei schließlich ein US-amerikanisches Unternehmen. Und solche Firmen verstehen sich auf werbeträchtige Auftritte.

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