Potsdamer Platz in Berlin : Per QR-Code in die Vergangenheit schauen

Am Potsdamer Platz ist ein neues Projekt gestartet, mit dem sich eine fotografische Zeitreise machen lässt. Wie so oft, gab es Ärger im Vorfeld.

Gabriele Scherndl
Vor der Montage. Mit dem QR-Code lässt sich eine fotografische Reise in die Vergangenheit des Potsdamer Platzes unternehmen.
Vor der Montage. Mit dem QR-Code lässt sich eine fotografische Reise in die Vergangenheit des Potsdamer Platzes unternehmen.Foto: Gabriele Scherndl

Jacques Obers hat es nicht nur geschafft, Kunst und Geschichte zu verbinden, sondern auch, die Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren.

Seit 1987 besuchte der Lehrer und Fotograf aus den Niederlanden regelmäßig den Potsdamer Platz und hielt dessen Entwicklung fest.

Die erste Aufnahme entstand auf der Aussichtsplattform im Westen, Blick Richtung Osten – der Künstler nennt das „todbringende Wüste“. Stundenlang bastelte er in der Dunkelkammer in mühsamer Handarbeit aus sieben Einzelbildern eine 180-Grad-Panorama-Aufnahme. Über die Jahre reiste er immer wieder hierher und fertigte drei weitere dieser Bilder an: 1990, 2000 und 2009.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für multimediale Kundenbindungssysteme (DGMK) wurde am Dienstag ein Pflasterstein verlegt, in dessen Oberfläche ein wetterbeständiger QR- Code eingraviert ist. Diesen können Besucher scannen und sehen dann auf ihrem Smartphone Obers’ Aufnahmen.

Weites Feld. Der Potsdamer Platz Ende der 1990er Jahre. Rechts die rote Info-Box, in der man sich über die Bauarbeiten schlau machen konnte.
Weites Feld. Der Potsdamer Platz Ende der 1990er Jahre. Rechts die rote Info-Box, in der man sich über die Bauarbeiten schlau...Foto: Jacques Obers

Das Besondere daran: Die Anwendung erkennt die Blickrichtung des Nutzers und zeigt dann genau die Aussicht, die man im entsprechenden Jahr an derselben Stelle gehabt hätte. „Es war immer mein Wunsch, diese Eindrücke vielen Menschen weitergeben zu können“, sagt der Niederländer.

Dieser Wunsch wäre ihm beinahe verwehrt geblieben: Initiator Daniel-Jan Girl von der DGMK erzählt von monatelangen Verhandlungen mit dem Bezirk Mitte. Denn ursprünglich sollte der Stein mit dem QR-Code genau an die Stelle der ehemaligen Aussichtsplattform . Schlussendlich erklärte sich die Deutsche Bahn aber dazu bereit, den Stein direkt vor dem Firmen-Tower verlegen zu lassen, auf privatem Gebiet, nur Millimeter von der Grundstücksgrenze entfernt.

Alexander Kaczmarek, Berlin-Chef des Konzerns, dazu: „Ich werde mich nun jeden Tag freuen, wenn ich daran vorbeigehe.“

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