Potsdamer Platz : Riesenandrang beim Kindertagsfest

Mehr als 100.000 Kinder und Erwachsene haben am Sonntag in Berlin das größte deutsche Weltkindertagsfest besucht. Auch Schloss Bellevue öffnete seine Pforten.

Kinderfest Foto: dpa
Das Fest steht unter dem Motto "Alle Kinder haben Rechte". -Foto: dpa

BerlinAußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte bei der Eröffnung, der Staat und die Familien seien gleichermaßen verantwortlich für das Schicksal der Kinder. Der Staat müsse genügend Plätze in Kindertagesstätten bereitstellen, damit die Eltern Beruf und Nachwuchs vereinbaren könnten. Eltern müssten ihrerseits ihre Kinder ernst nehmen und ihnen zuhören. "Wir dürfen die Kinder nicht dem Internet und ihrem Nintendo allein überlassen." Bundespräsident Horst Köhler öffnete am selben Tag für kleine und große Gäste seinen Amtssitz im Berliner Schloss Bellevue.

Das Kinderfest wurde einen Tag nach dem eigentlichen Weltkindertag (21. September) gefeiert. Ein Sprecher des Veranstalters sagte, bis zum Abend würden etwa 180.000 Besucher erwartet. "Es ist erheblich voller als letztes Jahr."

Beim Tag der offenen Tür im Schloss Bellevue konnten sich die Gäste über die Arbeit Köhlers informieren. Wer Glück hatte, konnte dem Bundespräsidenten und seiner Frau Eva Luise die Hand schütteln und ihnen Fragen stellen. Auch viele Erwachsene warfen einen Blick in das Amtszimmer des Staatsoberhaupts. Die Polizei rechnete mit mehr als 5000 Gästen. Voriges Jahr waren zum Tage der offenen Tür rund 8500 Neugierige in das Schloss gekommen.

Auswärtiges Amt mit kindergerechter Internetseite

In den Straßen rund um den Potsdamer Platz im Zentrum Berlins drängten sich bereits am Mittag die Besucher der Party unter dem Motto "Alle Kinder haben Rechte". Auf mehreren Bühnen gab es Musik- und Tanzvorführungen. Zum Fest schaltete Steinmeier eine kindergerechte Internetseite des Auswärtigen Amtes frei. Dort wird zum Beispiel erklärt, was Menschenrechte sind und wie die Vereinten Nationen arbeiten. Das Kanzleramt erklärt seit Samstag im Internet, wie Politik funktioniert. Zielgruppe sind die Zehn- bis 14-Jährigen.

Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, forderte bei dem Fest die Verankerung des Kinderschutzes im Grundgesetz. Der Bundesrat hatte dieses Ansinnen am Freitag mehrheitlich abgelehnt. Ein Sprecher des Kinderhilfswerks sagte, das Thema solle trotzdem im Bundestagswahlkampf 2009 eine Rolle spielen. Steinmeier beklagte, dass in Deutschland etwa zwei Millionen Kinder als arm gelten. Die Politik müsse die Arbeitslosigkeit senken, um dies zu ändern.

Diskussion um Kindergeld-Pläne

Unterdessen ging am Wochenende die Diskussion über die Pläne der Bundesregierung weiter, das Kindergeld zu erhöhen. Die Hilfsorganisationen Deutsche Kinderhilfe Direkt und Unicef sprachen sich gegen das Vorhaben aus. Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche verlangte einen höheren Regelsatz für Kinder von Hartz-IV-Empfängern. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zu den Vorschlägen aus der Union zur Erhöhung des Kindergelds um monatlich zehn Euro pro Kind, ein Teil sollte für bessere Bildung oder Betreuungseinrichtungen genutzt werden. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) blieb bei ihrer Absage an die Pläne von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) für einen steuerlichen Kinder-Grundfreibetrag. (feh/dpa)

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