• Potsdams Stadtkonservator Andreas Kalesse plädiert für höchste Qualität (Interview)

Berlin : Potsdams Stadtkonservator Andreas Kalesse plädiert für höchste Qualität (Interview)

In Kürze beginnen auf dem gesamten Areal des

In Kürze beginnen auf dem gesamten Areal des früheren Potsdamer Stadtschlosses archäologische Grabungen. Welche Bedeutung haben sie für den geplanten Wiederaufbau des Schlosses?

Eine große. Der ganze Boden ist, wie Abschätzungen ergeben haben, sehr reich an Befunden. Wir werden es zum einen, vor allem im ehemaligen Schlosshofbereich, mit der mittelalterlichen Stadt zu tun haben, die wir ja noch gar nicht kennen. Zum anderen haben wir im Bereich des Schlosskörpers selbst mit den Resten der Burg und den verschiedensten Vorgängerbauten zu tun.

Ist mit Überraschungen zu rechnen?

Auf jeden Fall werden erhebliche Teile an Mauerwerk herauskommen, die Bestandteil des ehemaligen Schlosses sind.

Was bedeutet das für den geplanten Wiederaufbau des Schlosses?

Dass man, wenn man einen Wiederaufbau im eigentlichen Sinne des Wortes will, all das, was vom Stadtschloss noch vorhanden, was noch im Boden ist, selbstverständlich einbeziehen muss, so wie das in Dresden oder auch Warschau der Fall ist.

Wie lange werden die Grabungen dauern?

Wenn wir es ernst meinen mit der Bodendenkmalpflege und dem Wiederaufbau des Schlosses wird man schätzungsweise zwei Jahre brauchen, um alles sorgfältig zu ermitteln, sorgfältig zu dokumentieren und zu konservieren, bis darüber ein neuer Baukörper errichtet wird.

Ist die Finanzierung der Grabungen gesichert?

Im nächsten Jahr finden die Grabungen im Rahmen der Bundesgartenschau statt, die weitere Finanzierung ist noch nicht geklärt.

Das Stadtschloss soll nach bisherigen Vorstellungen als "multifunktionales" Kongresszentrum mit Hotel usw. wieder erstehen. Kommt es so, braucht man eine Tiefgarage. Ist das überhaupt machbar?

Wenn man das Wort Wiederaufbau ernst nimmt und die Historizität des Ortes würdigen will, kann es unter dem Schloss keine Tiefgarage geben, kann es keine letztmalige Zerstörung dessen geben, was vom Schloss noch da ist. Das, was im Boden ist, ist ja das einzige Authentische neben einigen Befundstücken und Architekturteilen. Wenn man alles komplett herausnähme, würde Authentisches vom Stadtschloss kaum mehr übrig bleiben.

Demnächst soll der Grundstein für das

Fortuna-Portal gelegt werden. Kann man Portal und Schloss überhaupt originalgetreu wieder aufbauen?

Die Frage ist immer, was versteht man unter originalgetreu? Es gibt im Moment nur ein großes Projekt in Deutschland, bei dem man sich bemüht, Originales und damit Authentisches in den Wiederaufbau einzubringen - das ist die Dresdner Frauenkirche. Damit sind Maßstäbe gesetzt worden, um die niemand herumkommt. Wenn man diese Maßstäbe an das Potsdamer Stadtschloss anlegt, heißt das, dass man sehr sorgfältig auf den Grundmauern aufbauen und natürlich alles, was sich noch von diesem Gebäude und Gebäudeteilen wiederfinden lässt, sorgältig wiederverwenden muss. Und ein Wiederaufbau muss natürlich auch Stein auf Stein, also in traditioneller Handwerkstechnik, erfolgen. Wenn man nur von einem Betonguss ausgeht, wärmegedämmt und mit irgendwelchen Vorhangfassaden, dann mag das vielleicht von weitem so aussehen, als wäre es ein Wiederaufbau. Aber es wäre eine ganz andere Qualität. Ich bin der Meinug, dass mit Dresden eine Norm gesetzt worden ist, hinter die wir nicht zurückgehen dürfen.

Wird sich ein solcher authentischer Wiederaufbau in höchster Qualität nicht Jahrzehnte hinziehen?

Schlösser haben meist Jahrhunderte ihres Entstehens hinter sich. Solange werden wir nicht brauchen. Aber es wird kaum innerhalb eines Jahrzehnts zu schaffen sein, wenn man von einem hohen Grad an Authentizität ausgeht. Die Frage ist einfach, will man sich hier lediglich auf vier Wände reduzieren oder will man eben auch die Innenstrukturen weitgehend wieder herstellen, so wie man es in Dresden auch macht. Es ist ja noch gar nicht geklärt, wie der Aufbau stattfinden soll. Natürlich wird die Art des Wiederaufbaus von der Nutzung bestimmt werden. Die architektonische Aussage, die man zurückgewinnen will, muss in einer vernünftigen Korrespondenz zur Nutzung stehen. Deshalb müssen diese Fragen bald geklärt werden.

Also ist die Diskussion erst am Anfang?

Das ist richtig. Über die Qualität des Wiederaufbaus und alle damit zusammen hängenden Fragen muss eine Diskussion erst noch begonnen werden. Nach meiner Überzeugung kann man sich nicht nur auf die Außenwände reduzieren, auf die Hülle. Man kann nicht nur vier Wände hinstellen, hinter denen sich irgend etwas Beliebiges abspielt. Erst recht nicht, wenn Potsdam Vorbild sein will oder soll für das Berliner Stadtschloss. In Berlin hat sich gerade eine Debatte über die Qualität eröffnet. Wenn Potsdam Maßstäbe setzen will, kann es nicht hinter den Diskussionen in Dresden und Berlin zurückbleiben. Das bedeutet: höchste Qualität - oder man sollte es lieber gleich sein lassen. Mit dem Potsdamer Stadtkonservator sprach Michael Mara.

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