Berlin : Prägen, polieren, gravieren

Neue Ausstellung über Schmuckherstellung

Helmut Caspar

Seit Menschen existieren, schmücken sie sich mit Ringen, Ketten und Reifen, Anhängern, Broschen und Ziernadeln. Doch wer denkt bei ihrem Anblick schon daran, wie sie hergestellt wurden? Die industrielle Revolution ersetzte im 19. Jahrhundert die bis dahin übliche Handarbeit der Goldschmiede, Gießer und Präger. Edler Schmuck wurde so auch für breitere Käuferschichten erschwinglich. Daran erinnert das Technikmuseum in einer neuen Dauerausstellung.

Gezeigt wird, welcher Methoden und Maschinen sich Goldschmiede, Gießer, Präger und andere Metallhandwerker seit etwa 120 Jahren bedienen. Besucher lernen leise schnurrende oder laut pochende Maschinen zum Pressen, Prägen und Stanzen, zum Ziehen und Walzen kennen. Ausgestellt sind Gussformen sowie halb fertige Gießprodukte, aus denen bei weiteren Arbeitsgängen Anhänger und andere Erzeugnisse entstehen. Dazu kommen Geräte, die man zum Polieren und Gravieren braucht.

Interessenten können in den neu eingerichteten Räumen zuschauen, wie an urtümlich anmutenden Prägepressen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert mit mehrfachen Schlägen und lautem Knall Medaillen entstehen. Dazu sind Drücke von zwischen zwei und zehn Tonnen nötig. Wer möchte, kann im Museumsshop Schmuckstücke und Medaillen kaufen.

Die Ausstellung ist Ergebnis rund zwanzigjähriger Recherche, an der Fachleute des Deutschen Technikmuseums Berlin sowie des Schmuckmuseums Pforzheim und von ortsansässigen Firmen mitgewirkt haben. Ihnen gelang es, wertvolle Maschinen und Geräte vor dem Verschrotten zu bewahren. Die von Ausstellungskuratorin Gabriele Wohlauf geleitete Arbeitsgruppe „Schmuck verbindet“ hat sich das Ziel gesetzt, vor allem Schmucktechniken des Jugendstils um 1900 zu erforschen und für die Nachwelt zu erhalten. Schließlich waren es prägende Jahre.

Das Deutsche Technikmuseum, Trebbiner Straße 9, Kreuzberg, ist geöffnet von Dienstag bis Freitag von 9 bis 17.30 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.dtmb.de

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