Berlin : Präsident zieht Adlon dem Interconti vor

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Von Jörn Hasselmann

US-Präsident Bush wird die Nacht vom 22. auf den 23. Mai im Hotel Adlon übernachten – eine Wahl, die überrascht. Denn bislang schliefen die US-Präsidenten und alle anderen extrem gefährdeten Personen im Hotel Interconti. Das Haus an der Budapester Straße gilt als das mit Abstand sicherste Hotel in der Stadt – und bei den vorangegangenen Präsidentenbesuchen hatte der Secret Service immer bestätigt, dass das Interconti das einzige Berliner Hotel sei, das die Anforderungen erfülle.

„Nicht die Sicherheit hatte oberste Priorität, sondern die Location“, hieß es im Interconti zu dieser Entscheidung. Denn Bush will bekanntlich im Reichstag und vermutlich auch direkt am Tor eine Rede halten – da liegt die Präsidentensuite des Adlons nahe. Ein Polizeiführer sagte dem Tagesspiegel dagegen, dass das Interconti wegen der gerade beendeten Erweiterung aus dem Rennen schied. Denn als die Amerikaner vor Monaten den Besuch planten, habe das Interconti nicht das rechtzeitige Ende des Umbaus garantieren können. „Ich hätte Bush lieber im Interconti“, sagte der Leitende Beamte. Getroffen wurde diese Entscheidung in Washington, so ist zu hören – die Experten des BKA sollen die Stirn gerunzelt haben.

Denn als Hauptnachteil des Adlons gilt, dass das Brandenburger Tor seit einigen Tagen für den Verkehr gesperrt ist. „Da sind wir in einer Sackgasse und können nur in eine Richtung weg“, sagte der Beamte. „Das macht An- und Abfahrt des Präsidenten berechenbar.“ Während des 22. und 23. Mai werde das Luxushotel weiträumig abgesperrt, „Pariser Platz, Wilhelmstraße und Ebertstraße reichen da nicht“, hieß es bei der Polizei. Für Berliner und Touristen ist der Besuch deshalb mit wesentlich größeren Einschränkungen verbunden als im Interconti. Denn die Budapester Straße konnte bei Staatbesuch unproblematisch gesperrt werden. Aber auch im Adlon ist Bush sicher. Die Experten des Bundeskriminalamtes, die für die Innensicherung des Gebäudes zuständig sind, haben bislang nicht interveniert. Mit dem chinesischen Präsidenten Jiang Zemin, der im April am Pariser Platz abstieg, konnte das Adlon zudem Erfahrung mit gefährdeten Gästen sammeln. Auch Zemin hatte mit seinem Tross die komplette fünfte Etage belegt. Beim Betreten und Verlassen des Hotels hatte es dabei Proteste der chinesischen Sekte Falun Gong gegeben, deren Mitglieder sich in dem Hotel einquartiert hatten. Zum Ärger einiger Hotelgäste wurde die Lobby des Hotels mehrmals für etwa 20 Minuten geräumt. Im Interconti hätte Bush nicht nur eine 200 Quadratmeter große Suite, sondern einen ganzen Hotelflügel – „der ist besser zu sichern“, sagte ein Beamter.

Das Interconti ist in den 90er Jahren mit Millionenaufwand gegen Anschläge und Attentate aller Art gepanzert worden. Der amerikanische Geheimdienst Secret Service hatte diese Arbeiten begleitet; vor jedem Besuch eines Präsidenten wurde das Haus mit Akribie von Dutzenden Geheimagenten unter die Lupe genommen. Zufal ist die gute Zusammenarbeit mit den Amerikanern nicht: Seit 1992 beschäftigt das Hotel als Sicherheitschef mit Jürgen Janetzke einen ehemaligen US-Militärpolizisten und früheren Verbindungsoffizier der West-Alliierten zur Berliner Polizei. Vor dem zweiten Clintonbesuch 1998 war die Suite mit Panzerglas und Stahlbeton selbst gegen Angriffe mit Raketenwerfern und Panzerfäusten gesichert worden. Jetzt wurde gerade eine nicht einsehbare, versteckte Vorfahrtin der Tiefgarage fertig. Ohnehin gibt es etwa 20 verschiedene Wege, auf denen Gäste ins Haus kommen können.

Das Adlon wollte gestern – wie üblich – keinerlei Auskunft geben zum bevorstehenden Besuch, zur Sicherheit schon gar nicht. Gewiss ist der Bush-Besuch aber: Reservierungsanfragen für den 22. Mai blockt der Buchungscomputer ab.

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