Präsidentschaftskandidat : Brandenburgs SPD schließt Frieden mit Joachim Gauck

Der ehemalige Stasi-Beauftragte war bei Rot-Rot bisher nicht gut gelitten. Doch im Landtag wurde der Präsidentschaftskandidat freundlich empfangen.

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Überall im Gespräch. Gauck kommt dieser Tage viel rum. Der von SPD und Grünen gemeinsam nominierte Präsidentschaftskandidat besuchte am Dienstag Potsdam. Foto: dpa
Überall im Gespräch. Gauck kommt dieser Tage viel rum. Der von SPD und Grünen gemeinsam nominierte Präsidentschaftskandidat...Foto: dpa

Potsdam - Ehe er seine Vorstellung beginnt, ist ihm eine persönliche Bemerkung wichtig. Er freue sich, dass Matthias Platzeck extra gekommen sei. Man kenne sich lange, auch aus der ersten freien DDR-Volkskammer, sagt Joachim Gauck. „Und da gibt es etwas Unzerstörbares, das diejenigen verbindet, die damals dabei waren, egal, ob man sich umarmt oder zofft“. So beginnt der Kandidat für das Bundespräsidentenamt, der sich an diesem Dienstag auf Einladung von SPD und Grünen im Potsdamer Landtag präsentiert. Es ist ein ungewöhnlicher Auftritt, gerade hier, an diesem Ort. Später wird Joachim Gauck, der am Mittwoch auch ins Berliner Abgeordnetenhaus kommt und noch weitere Landtage aufsuchen wird, selbst sagen: „Das hat hier schon ein besonderes Kolorit“. Und das nicht nur, weil hier eine rot-rote Koalition regiert, die er ebenso kritisiert hat wie den Aufruf des Ministerpräsidenten Platzeck zur Versöhnung mit früheren SED-Eliten. Der lobt ihn nun in den höchsten Tönen: „Ich habe mich über seine Kandidatur sehr gefreut.“

Im gleichen Raum 324 hatte vor eineinhalb Jahrzehnten ein Untersuchungsausschuss getagt, der die Stasi-Kontakte des früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe untersuchte. Er ging auf einen Bescheid von Joachim Gauck zurück, damals Chef der Stasi-Unterlagenbehörde. Seitdem machte ihn die Brandenburger SPD für die „Kampagne“ verantwortlich. Aber das alles ist an diesem Tag kein Thema. Und der Kandidat, der von Freiheit und Demokratie spricht, den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr verteidigt, souverän, mit Humor, entspricht so gar nicht dem Bild, ja auch dem bisherigen Feindbild, das gerade in Brandenburg bei SPD und Linken bisher ziemlich verbreitet war.

Er sei kein Gegner der Parteien, sagt Gauck etwa. Man müsse froh sein, wenn sich Menschen engagieren, „sonst Gute Nacht, Marie!“ Wenn Bürger nur noch Konsumenten seien, könne „das niemandem gefallen“. Neugierig geht er auf den jungen Linke–Abgeordneten Torsten Krause ein, als der nach Defiziten der Bundesrepublik fragt. Engagement für eine bessere Welt respektiere er, antwortet Gauck. „Es ist etwas anderes, wenn mir ehemalige Nomenklatura-Funktionäre Ihrer Partei sagen, ich sei ein Ewiggestriger.“ Es sind einige bekannte Linke im Raum, um Gauck, den die Berliner Spitze – bisher – für unwählbar hält, zu hören, Fraktionschefin Kerstin Kaiser, die Minister Ralf Christoffers und Volkmar Schöneburg, der Abgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg. Mancher blickt sehr nachdenklich. Und aus den schwarz-gelben Reihen? Von der CDU ist niemand gekommen. FDP-Fraktionschef Hans-Peter Goetz verkündet am Nachmittag, man wolle sich auf keinen Kandidaten festlegen.

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