Berlin : Praxis für Obdachlose braucht dringend Hilfe

Tagesspiegel sammelt für Caritas-Ambulanz am Zoo. Ärzte wollen ein Ultraschallgerät anschaffen

Christian Tretbar

So viele Bewerbungen gab es für unsere Weihnachtsspendenaktion noch nie: Mehr als 160 Mappen von sozialen Vereinen sind eingegangen. Der Spendenverein hat alle sorgsam gesichtet und geprüft. Wegen der großen Nachfrage werden wir in diesem Jahr noch mehr Projekte bedenken. Ab heute bis Weihnachten stellen wir ausgewählte alle zwei Tage vor – und bitten Sie, liebe Leser, um Spenden. Heute: Die Ambulanz für Wohnungslose der Caritas.

Es sind nur noch 15 halbe Bier am Tag – morgens um sechs Uhr gibt es das erste. „Das ist ein Fortschritt, weil ich mich nicht mehr zur Besinnungslosigkeit betrinke“, sagt ein Mann, der seit 15 Jahren alkoholabhängig, obdachlos – aber in guten Händen ist. Er ist einer von vielen Patienten der Ambulanz für Wohnungslose, die die Caritas hinter dem Bahnhof Zoo in der Jebensstraße betreibt. Seinen Namen will er aus Angst vor Übergriffen nicht nennen, aber er weiß, wie wichtig die Ambulanz für ihn ist: „Ich war vor vielen Jahren auf Kippensuche in der Straße – und stand plötzlich vor dem Schild. Seitdem komme ich regelmäßig.“

Für Gabriela Allgaier ist sein Fall eine Erfolgsgeschichte, weil er an den Tagen, an denen er die Ambulanz besucht, weniger trinkt und sich aufgehoben fühlt. „Ihm geht es besser“, sagt die Krankenschwester und Leiterin des Caritas-Projekts. Sie kennt weitere dieser Erfolgsgeschichten. Da ist der 64-jährige Rentner, der erst seine Frau und danach den Halt verlor. Sie sprach den Mann an. Erst wollte er die Hilfe nicht annehmen, aber eine Woche später stand er morgens um acht vor der Tür. „Er ist wieder gesund und hat bald wieder eine eigene Wohnung“, sagt Allgaier.

Die Ambulanz für Wohnungslose ist mehr als reine medizinische Hilfe. Drei Ärzte, die 12,78 Euro Aufwandsentschädigung pro Patient bekommen, kümmern sich um Menschen ohne Krankenversicherung. Auch viele Ehrenamtliche helfen. Darunter drei ehemalige Pflegekräfte, „die sich auch nicht vor Verbänden scheuen, die nicht so angenehm sind“, sagt Jeannette Leberecht, ebenfalls Krankenschwester. Zehn bis zwölf Patienten kommen pro Tag in die kleine Krankenstube. „Es sind Kinder, junge Junkies, Strichjungen oder 80 Jahre alte Obdachlose“, sagt Leberecht. Sie leiden unter Lungenentzündung, Herzbeschwerden, Hautkrankheiten.

„Wir möchten helfen, aber uns fehlt vor allem medizinisches Gerät“, sagt Gisela Hain, eine der drei Ärztinnen. Medikamente bekommt die Ambulanz teilweise gespendet. „Teure Antibiotika müssen wir aber selbst dazukaufen“, so Hain. Finanziert wird das Projekt durch die Caritas, das Land – und vor allem über Spenden. „Deshalb ist die Tagesspiegel-Aktion für uns so wichtig.“ Auch Frau Hain hofft jetzt auf Spenden für ein Ultraschallgerät. Denn andere Arztpraxen verweigern den Menschen die notwendige Untersuchung aus Kostengründen.

Das Spendenkonto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Ktnr. 25 00 30 942, BLZ 100 500 00. Onlinebanking ist möglich. Notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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