Prediger Pierre Vogel : Islamisten-Vortrag in Berlin abgesagt

17.12.2010 13:15 Uhr

Ein "Islamseminar" des bundesweit bekannten islamistischen Predigers Pierre Vogel vom Verein "Einladung zum Paradies" wurde abgesagt. Der Vortrag war für den 24. bis 26. Dezember in der Berliner Al-Nur-Moschee geplant. Auch der Termin in Konstanz fällt aus.

Die deutsche Islamisten-Szene muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Zwei für die kommenden Tage und Wochen geplante Veranstaltungen mit dem bundesweit bekannten islamistischen Predigers Pierre Vogel vom Verein "Einladung zum Paradies" in Konstanz und Berlin wurden am Freitag abgesagt. Das bestätigten die Berliner Al-Nur-Moschee und die Konstanzer Stadtverwaltung am Freitag. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) begrüßt die Absage sehr, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel.

In Berlin wollte Vogel vom 24. bis zum 26. Dezember mit vier weiteren Predigern sowie dem früheren Rapper Deso Dogg ein sogenanntes "Islamseminar" abhalten.

Der Imam Sheikh Nasser El-Issa sagte, die Moschee könne das Seminar, das für die Teilnehmer kostenlos sein sollte, wegen unvorhergesehener Ereignisse nicht finanzieren und habe es daher abgesagt. "Wir sind auf einer Pilgerfahrt nach Mekka von einem Reiseorganisator betrogen worden und haben insgesamt 50.000 Euro verloren", sagte El-Issa. Nach einem Brandanschlag auf die Moschee müsse man außerdem mehrere tausend Euro für Überwachungskameras und einen höheren Zaun ausgeben.

Die Mehrzweckhalle in Konstanz-Allmannsdorf wurde nach Angaben der Stadt aufgrund der Witterungsverhältnisse bis auf Weiteres gesperrt. Durch die Schneelast auf dem Dach könne eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Der für das Wochenende geplante Auftritt Vogels müsse daher ausfallen.

Innenministerium will Verein verbieten

Der Verein „Einladung zum Paradies“, zu dem Pierre Vogel gehört, stand in dieser Woche im Visier der Sicherheitsbehörden. Bei einer Razzia in mehreren deutschen Städten durchsuchten Polizeibeamte im Auftrag des Bundesinnenministeriums am Dienstag Privat- und Vereinsräume in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, um mithilfe beschlagnahmter Objekte ein Verbotsverfahren einleiten und begründen zu können.

Einen Zusammenhang zwischen den Durchsuchungen und der Seminar-Absage gebe es nicht, sagte der Imam der Al-Nur-Moschee El-Issa. Die Konstanzer Stadtverwaltung wurde wegen der Genehmigung für die Veranstaltung in der kommunalen Halle in den vergangenen Tagen heftig kritisiert, begründete die Absage ausschließlich mit den Witterungsverhältnissen.

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass sich bei Islamseminaren und -vorträgen salafistischer Prediger junge Muslime regelmäßig radikalisieren, weil dort antiwestliche Werte propagiert würden. Der Verein "Einladung zum Paradies" gilt wegen seiner strengen Koran-Auslegung als fundamentalistisch und integrationsfeindlich.

Seine Anhänger sprechen sich klar gegen Terror im Namen des Islam aus, sehen die Scharia aber als dem Grundgesetz überlegen an. Die Durchsuchungen begründete das Innenministerium mit möglichen Bestrebungen gegen die verfassungsmäßige Ordnung. (jra,dapd)

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