Berlin : Preisabsprachen am Bau: Riesen-Razzia bei 20 Unternehmen

Ermittlungen gegen Firmen, die Ausschreibungen manipuliert haben sollen – betroffen sind der Flughafen Schönefeld und die Rummelsburger Bucht

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Sie schwärmten gleichzeitig aus, Punkt 10 Uhr. Rund 400 Polizisten waren in Berlin, Brandenburg und SachsenAnhalt auf den Beinen, um einem mächtigen Preiskartell das Handwerk zu legen. Über Jahre hinweg sollen die rund 20 beschuldigten Firmen bei Ausschreibungen eine „verdeckte Bietergemeinschaft“ gebildet und sich bei den Preisen abgesprochen haben. In und um Berlin handelt es sich dabei um Abriss- und Neubauaufträge zur Modernisierung des Flughafens Schönefeld sowie die Umgestaltung der Rummelsburger Bucht und des Alten Schlachthofes in Prenzlauer Berg. Am Mittwoch durchsuchte die Polizei die Wohnungen und Firmen von 13 Beschuldigten in Berlin.

Festgenommen wurde gestern niemand, heißt es beim Landeskriminalamt Brandenburg. „Erst mal müssen wir Material sichten.“ Insgesamt durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft 69 Büros von Baufirmen und Wohnungen in drei Bundesländern. Durch die Preisabsprachen seien „sehr hohe Schäden“ entstanden. Die Staatsanwaltschaft prüft mehr als 40 seit 1997 ausgeschriebene Projekte – jede Menge Arbeit.

Stundenlang suchten die Ermittler am Mittwoch in den Büros am Flughafen Schönefeld nach Beweismaterial. Bei der Flughafengesellschaft waren die Mitarbeiter vollkommen überrascht worden. Eine offizielle Stellungnahme gab es – in Absprache mit der Staatsanwaltschaft – nicht. Größere Aufträge waren nach Tagesspiegel-Informationen in Schönefeld seit 1997 nicht vergeben worden. Meist fanden Abrissarbeiten statt. Unter anderem wurde das alte Backsteingebäude gegenüber dem Bahnhof abgerissen. Ob eine der unter Verdacht stehenden Firmen auch an der Sanierung der südlichen Start- und Landebahn beteiligt ist, die seit Anfang März läuft, war nicht zu erfahren. Die Bahn wird vollkommen erneuert. Über sie erfolgt vorübergehend der gesamte Flugverkehr, wenn die Nordbahn wie geplant 2006/2007 aufgegeben wird. Weitere Aufträge wurden für den Bau von Wasser- und Abwasserrohren vergeben. Der Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) beginnt erst, wenn alle Klagen entschieden sind. Allerdings werden auch hier Abrissarbeiten vorgezogen – etwa in Diepensee. Das Dorf wird derzeit umgesiedelt.

Einen ausgedehnten Besuch der Polizei bekamen auch die Wasserstadt GmbH und die Verkehrsbau-Union Schönerlinde. „Im Moment gibt es gerade Durchsuchungen“, bestätigte gestern Nachmittag das Unternehmen Eurovia in Bottrop, zu dem die Verkehrsbau-Union gehört. Durchsucht würden Büroräume in Adlershof und am Standort der Bauleitung am Flughafen Schönefeld. Die Eurovia sei im Übrigen über die Vorwürfe gegenüber der Verkehrsbau-Union sehr erstaunt. „Wir kennen so was aus unserem Hause nicht. Es trifft uns das erste Mal.“ Bei derWasserstadt GmbH versichert man, nicht zum Kreis der Verdächtigen zu gehören. „Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Wasserstadt GmbH oder ihre Mitarbeiter.“ cvl/kf/kt

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