Preisverleihung in Berlin : Eine Nacht der Klassik im Konzerthaus

Zur Verleihung des Echo kommen am heutigen Sonntagabend die großen Stars der E-Musik ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Damit es nicht allzu getragen wird, sind Laudatoren wie Thomas Gottschalk und Wigald Boning dabei.

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Der Pianist Lang Lang wird beim Echo Klassik mit einem Sonderpreis geehrt.
Der Pianist Lang Lang wird beim Echo Klassik mit einem Sonderpreis geehrt.Foto: dpa

Für Klassik-Freunde verwandelt sich am Sonntag das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in ein klingendes Schlaraffenland. Denn dort wird mit dem „Echo Classic“ die allererste Garde der klassischen Musiker ausgezeichnet. Allein der Moderator lässt viele Herzen höher schlagen. An der Seite von Nina Eichinger wird Rolando Villazon durch den Abend führen.

Angesichts der großen Stars, die erwartet wurden, mag man es schwer verständlich finden, warum der Echo Klassik öfter mal als „kleine Schwester des Echo Pop“ gehandelt wird. Vielleicht, weil das Echo nicht ganz so laut dröhnt. Laudatoren wie Thomas Gottschalk, Johannes B. Kerner und der Komiker Wigald Boning immerhin sollen die Verleihungszeremonie der E-Kultur mit ein paar U-Akzenten auflockern. Allerdings gehört auch der britische Stargeiger Daniel Hope zum großen Lobredner-Team.

Joyce DiDonato ist Mezzosopranistin und wird als Sängerin des Jahres ausgezeichnet.
Joyce DiDonato ist Mezzosopranistin und wird als Sängerin des Jahres ausgezeichnet.Foto: AFP

Die Preisträger stehen schon fest. Mit Jonas Kaufmann als Sänger des Jahres und Joyce DiDonato als Sängerin des Jahres hat sich die Jury unter Publikumslieblingen umgesehen. David Garrett siegt in der Kategorie „Bestseller des Jahres“ mit dem Album „Timeless – Brahms & Bruch Violin Concertos“. Einen Sonderpreis der International Music Foundation soll es zudem für Starpianist Lang Lang geben. Geehrt werden auch der Flötist Maurice Steger, der Klarinettist Andreas Ottensamer und Dirigent David Zinman. Insgesamt werden 58 Preisträger in 22 Kategorien am Gendarmenmarkt erwartet. Für die „Sinfonische Einspielung des Jahres“ etwa sollen Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester Leipzig ausgezeichnet werden.

Seit 1994 ehrt die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes der Musikindustrie, herausragende Leistungen in der klassischen Musik mit Echos. Inzwischen gilt der Echo Klassik als einer der wichtigsten Musikpreise der Welt. Die Gala dazu ist auch wegen des hohen Starfaktors zum beliebten und glanzvollen Treffpunkt der Klassikgemeinde geworden.

Der Tenor Jonas Kaufmann wird als Sänger des Jahres ausgezeichnet.
Der Tenor Jonas Kaufmann wird als Sänger des Jahres ausgezeichnet.Foto: dpa

Als Gastgeber fungieren ZDF-Intendant Thomas Bellut und der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes, Dieter Gorny. Für dessen Geschäftsführer Florian Drücke ist es vor allem wichtig, dass die Jury-Entscheidungen „die große Vielfalt der klassischen Musik widerspiegeln“. Akzente habe die Jury aber auch bei der Nachwuchsförderung gesetzt: „Hier konnte schon manches Mal ein Grundstein für die weitere Karriere gelegt werden.“ Unter den Nachwuchskünstlern also sollte man sich die Namen der Sänger Bryan Hymel und Sonya Yoncheva merken, sowie die der Pianisten Florian Noack und Sophie Pacini und der Geiger Nemanja Radulovic.

Natürlich gibt es auch hier im Kontrast zu denen, die noch am Anfang stehen, ein veritables Lebenswerk zu ehren. „Mit Menahem Pressler wird zugleich ein herausragender Künstler von Weltruf wie auch ein außergewöhnlicher Mensch ausgezeichnet“, heißt es in der Jury-Begründung. Dieter Gorny empfindet es als besondere Ehre, dass der Ausgezeichnete auch selber auftreten will: „Durch seine leidenschaftliche Energie hat er viel bewegt und erreicht sein Publikum bis heute in besonderer Weise, was auch seine späte Solokarriere zeigt.“ Der 1923 geborene Menahem Pressler ist bereits Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Magdeburg. Der Pianist gründete 1955 das legendäre Beaux Arts Trio. Immer noch gibt er Meisterkurse in der ganzen Welt.

Kein Wunder also, dass die Klassikwelt an diesem Sonntag gebannt auf den Gendarmenmarkt schaut. Wer nicht dabei ist, kann sich immerhin mit der CD trösten, die pünktlich zum Ereignis erschienen ist. Oder sich um 22 Uhr die Übertragung im ZDF ansehen.

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