Berlin : Premiere der Brecht-Oper auf der Kippe

Bezirk hat Admiralspalast noch nicht freigegeben

Matthias Oloew

Hinter den Kulissen liegen die Nerven blank. Knapp eine Woche vor der Premiere der „Dreigroschenoper“ im restaurierten Admiralspalast an der Friedrichstraße hat das Bezirksamt Mitte noch immer keine Freigabe für das Gebäude erteilt. „Es ist noch allerhand zu machen“, erklärt Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne), „vor allem, was die technische Sicherheit und den Brandschutz des Gebäudes betrifft.“ Die Bauaufsicht sei täglich auf der Baustelle. Am kommenden Dienstag werde die Behörde endgültig entscheiden, ob das Haus freigegeben wird. Und damit, ob die Premiere wie geplant stattfinden kann.

Diese wackelige Situation überfordert offenbar das Nervenkostüm des Schweizer Produzenten Lukas Leuenberger. Er steckt nach eigenen Angaben dreieinhalb Millionen Euro in die Produktion der „Dreigroschenoper“ und erklärte gegenüber der „Berner Zeitung“, er werde die Verantwortlichen auf jeden Fall verklagen. Über die Hausherren um den Chef der Treptower Arena, Falk Walter, sagte Leuenberger am Donnerstag gegenüber der Zeitung: „Das sind Dilettanten. Sie haben diese Baustelle völlig unterschätzt.“ Am Tag danach schlägt eine Sprecherin aber gemäßigtere Töne an: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Premiere am vorgesehenen Tag und am geplanten Ort stattfinden wird.“

Der von Leuenberger so gescholtene Walter sagt, er könne die Bedenken sehr gut verstehen: „Ich habe ohnehin großen Respekt vor Klaus-Maria Brandauer und dem ganzen Ensemble, das so viel Geduld angesichts der erschwerten Bedingungen hat.“ Die Bauarbeiter werkeln rund um die Uhr, Brandauer, Campino und die anderen Künstler proben, wenn die Handwerker im Theatertrakt des Gebäudes pausieren, zwischen vier Uhr nachmittags und Mitternacht. Falk Walter ist überzeugt: „Wir werden am 11. August eine fabelhafte Premiere und Eröffnung feiern.“

Der Zeitplan ist beim Admiralspalast ohnehin durcheinander. Eigentlich sollte das Haus schon im April nach zehn Jahren wieder öffnen, mit einer Theaterproduktion aus dem Hause Walter: die „Reifeprüfung“ mit Iris Berben in der Rolle der Mrs. Robinson. „Wegen der langen Frostperiode konnten wir aber lange nicht betonieren“, erklärt Walter die Verzögerung, weist aber Mutmaßungen des „Dreigroschenoper“-Produzenten zurück: „Wir sind an das Projekt nicht naiv herangegangen.“ Walter bleibt bei aller Aufregung ruhig. Stadträtin Dubrau ist ebenfalls gelassen. Sie glaubt, dass die Bauarbeiter es schaffen, „wenn sie Tag und Nacht durcharbeiten“.

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