Berlin : Premiere der Pistolenfinger

Daniel Craig, Star der gestrigen Premiere von „Casino Royale“, ist längst Stammgast in Berlin

Andreas Conrad

Endlich wieder ein kleiner Junge, ein Mädchen sein, versunken ins Spiel. Ein Stöckchen genügt da schon, um eine Pistole darzustellen, und wenn nicht mal das vorhanden ist, reichen zwei Finger – piff, paff, puff. Die Pistolenfinger, mal ein-, mal zweihändig, waren gestern Abend die zweifellos beliebteste Pose unter den Gästen der Premiere von „Casino Royale“ im Cinestar am Potsdamer Platz. Sternchen, die den Fotografen sonst am liebsten neckisch über die nackte Schulter zuzwinkern, warfen sich nun mit Vorliebe in die klassische James-Bond-Pose oder was sie dafür hielten. Und selbst ein ehrenwerter Regisseur wie Leander Haußmann wusste sich, um eine fotogene Pose gebeten, nicht anders zu helfen, als pistolengleich einen Finger zu recken. Willy Bogner immerhin hatte alles Recht dazu, war er doch selbst bei einigen Bond-Filmen, damals noch mit Roger Moore, dabei.

Die Länge des roten Teppichs unterm Sony-Zeltdach, dem beliebtesten Premierenort der Stadt, fällt nicht immer gleich aus. Diesmal war die ganze mögliche Strecke voll ausgenutzt, schon dies Indiz für die Bedeutung des Abends: Bond ist wieder da, runderneuert, härter, düsterer, ohne den technischen Schnickschnack, mit Daniel Craig als neuem Gesicht. Dessen aktuelles Dienstfahrzeug, der leider noch nicht käufliche Aston Martin DB S, stimmte die Premierengäste auf ihrem Weg über die Auslegware schon mal auf den Abend ein, eine überdimensionale 007 war die erste Station fürs Posieren, eine Leinwand mit dem Filmtitel die zweite. Christiane Paul, Jeanette Biedermann, Dominic Raacke, Falko Götz, Vicky Leandros, Christoph Gottschalk und viele mehr – die Prominenzliste konnte sich sehen lassen. Die Stars dann zum Schluss, aus hiesigem Schauspielersortiment Jürgen Tarrach, Ludger Pistor, Veruschka von Lehndorff und Clemens Schick, der gleich wieder weg musste, um an der Schaubühne in Tschechows „Drei Schwestern“ zu spielen, Regisseur Martin Campbell, die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, Mads Mikkelsen alias Le Chiffre, Bond-Liebchen Caterina Murino – und schließlich der Mittelpunkt des Abends: Daniel Craig, begeistert empfangen, belagert von Autogrammjägern, so souverän wie in seiner neuen Rolle auch hier auf dem Teppich.

So also sieht ein Shooting Star aus: dunkelgrauer, fast schwarzer Anzug, der muskulösen Figur dezent angepasst, dunkel auch das Hemd, die glänzende Krawatte, weißes Kavalierstuch, das Haar militärisch kurz geschnitten und gescheitelt, im linken Arm Freundin Satsuki Mitchell, eine luftig gekleidete, strahlend schöne Frau, die rechte Hand steckt mit souveräner Lässigkeit in der Hosentasche.

Aber auch schon so hatte er sich in Berlin als Shooting Star gegeben: hellgrauer Anzug, hellgrau auch Hemd, Krawatte, kein Kavalierstuch, zu viel Gel im Haar. Zudem schien der junge Mann nicht recht zu wissen, wohin mit den Händen – Craig bei der Präsentation der „Shooting Stars 2000“ im Berlinale-Palast. Immer mal wieder war er in den vergangenen zehn Jahren hier aufgetaucht, oft als Begleitung seiner früheren Freundin Heike Makatsch, sei es 1996 bei Dreharbeiten zu „Obsession“, bei denen sie zueinander gefunden hatten, 1998 bei der Premiere des Detlev-Buck-Films „Liebe deine Nächste“, in dem sie mitgespielt hatte, bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2001 oder beim Stones-Konzert 2003. Noch kein Berliner also, aber ein Stammgast.

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