Berlin : Premium Turbo

Werner van Bebber

wundert sich über die Streitlust von Museumsleuten Das Rabattwesen bringt Geld und kostet Zeit. Wer sich zum Bahnfahren, Einkaufen oder Musik-Hören Premium-, Goldkunden- und Jahresspezialzugangskarten kauft, der muss eine Menge Zeit aufwenden, um alle Vorteile wirklich zu erkennen, die er mitgekauft hat. Offenbar haben viele Leute diese Zeit – wer beim Einkaufen zufälligerweise in aufgeklappte fremde Brieftaschen guckt, sieht solche Plastikspezialausweise in großer Zahl. Und tanken kann man heute schon gar nicht mehr, ohne gefragt zu werden, ob man die Lieblingskundenvorteilskarte schon hat, mit der man Prozente auf Grillkohle und Videokassetten bekommt. Längst gehört die Schnäppchenhuberei zum Museumswesen – die Verlängerung des Kulturabonnements mit anderen Mitteln. Museumsdirektoren und Kulturtempelwächter müssten froh um jeden Käufer einer Jahreseintrittskarte sein, denn diese Leute haben im Voraus bezahlt. Um so bizarrer – und hochmütiger – wirkt es, dass sich ein Ehepaar mit „Jahreskarte Plus“ den Weg in die MoMa-Ausstellung freiklagen musste. Da musste ein Gericht entscheiden, dass eine Sonderausstellung eine Sonderausstellung ist.

Vielleicht sollten die Leute vom Museumsmarketing ihre „Plus“–Jahreskarten noch einmal aufrüsten: „Plus- Was-Recht-ist-muss-Recht-bleiben“, einschließlich Rechtsschutzversicherung.

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