Prenzlauer Berg : Café eröffnet schnullerfreie Zone

Lärm, Buggy, Kakaoflecken: In einem Lokal in Prenzlauer Berg gibt es eine kinderfreie Zone. Ist das jetzt familienfeindlich?

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Rächtschreibfehler. Das „ä“ steht für Ältere. Und gegen Kinder will im Café auch niemand was haben. Foto: Spiekermann-Klaas

Als Klaus Schulte am Freitagmorgen die Zeitung aufschlägt, will er seinen Augen nicht trauen. „Da verbreitet die Boulevardpresse den Eindruck, wir hätten etwas gegen Kinder – das ist absurd“, sagt der Mitinhaber des Café Niesen in der Schwedter Straße. „Tatsächlich sind wir das kinderfreundlichste Café in ganz Prenzlauer Berg.“ Sein Blick gleitet über ein Holzregal, auf dem eine Batterie von Gläsern mit bunten Lutschern steht.

Anlass der Empörung ist ein Papierschild an der Tür des Nebeneingangs zum Café, auf dem „Neu: Für Ältern ohne Kinder“ steht. Die Tür führt in ein Separee, von dem man in die Küche und den großen Hauptraum des Cafés mit seinen etwa 40 Sitzplätzen blickt. Dort wird es laut Schulte oft quirlig und eng. Bis zu zehn Kinderwagen machten ein Durchkommen für das Personal schwierig, Kinder würden aus Versehen schon mal Kakao über Tische und Stühle schütten und ganze Still- und Krabbelgruppen für einen gehörigen Lärmpegel sorgen. „Deshalb haben wir auf Wunsch vieler Gäste diesen Nebenraum eingerichtet, von dem 98 Prozent unserer Kundschaft total begeistert sind“, sagt der 49-Jährige, der selbst eine vierjährige Tochter hat und das Café 2005 mit seiner Geschäftspartnerin Christine Wick eröffnete. Auch Wick hat einen neunjährigen Sohn.

Das Café Niesen ist bei vielen Eltern beliebt, in der Nähe befinden sich nicht nur der Mauerpark mit seinem Klettergerüst und der Spielplatz am Falkplatz, sondern auch ein Kinderbauernhof. „Eigentlich soll der Nebenraum nur ein nettes Angebot für Menschen sein, die ein bisschen mehr Ruhe möchten“, sagt Schulte. Außerdem sehe man die Sache mit einem freundlichen kleinen Augenzwinkern. „Deshalb haben wir Eltern mit ä wie ‚Ältere‘ geschrieben.” Die junge Mutter Julia findet das Angebot toll: „Ich bin Stammgast hier im Niesen. Und auch, wenn ich mich mal ohne meine 18 Monate alte Tochter mit einer Freundin treffen kann, komme ich gern hierher“, sagt die 28-Jährige. Vor allem, seitdem man im dekorierten Separee endlich ein bisschen in Ruhe plaudern könne. 

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