Prenzlauer Berg : Der Bauzirkus geht weiter

Seit 1996 wird an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg gebaut. Das missfällt Anwohnern und Gewerbetreibenden.

Diana Harmuth vom Uhrenladen „Uhranus“ in Prenzlauer Berg hat sich mittags auf einen Stuhl vors Geschäft gesetzt und bereut es schnell: „So viel Staub.“ Vor ihr lärmen Bagger, Asphalt bröckelt, Straßenbahngleise sind aufgerissen, ragen gespenstisch in die Höhe. Passanten drücken sich an Absperrungen entlang, nur eine Autospur ist frei. Karin Wagner im Fachgeschäft „Künstlermagazin“ ist empört, hat den Eindruck, die Straße werde „seit 15 Jahren permanent aufgerissen. Alle Anwohner sind fassungslos“. Gerhard Zöht von „Photo-Max“ gegenüber kommentiert bitter: „ Die Kastanienallee – das ist eine gigantische Geldverschwendung.“ Seit 1996 werde ständig gebaut.

Nach Straßen- und Leitungsarbeiten in den letzten Jahren, bei denen die Asphaltdecke wiederholt aufgerissen und erneuert wurde, will die BVG nun zwischen Oderberger und Schwedter Straße neue Gleise mit „schwingungsdämpfender elastischer Ummantelung“ einbauen, so genannte Flüstergleise. Anwohner haben das Gefühl, die Szenerie schon vor gut einem Jahr miterlebt zu haben. Da wurden auch Gleise aufgerissen, eingangs der Kastanienallee, Höhe Schönhauser – und auf der Baustelle nächtliche Partys gefeiert, deren Bilder um die Welt gingen.

So gab es Umleitungen,Verkehrseinschränkungen und Umsatzeinbußen der Händler schon im letzten Sommer, und die haben bleibenden Eindruck hinterlassen. Nun geht der Bauzirkus wieder los, die Arbeiten haben vor ein paar Tagen begonnen und sollen – glaubt man den Hinweisen auf den Haltestellen – am 14. Juli abgeschlossen sein. Über die Baukosten teilt die BVG nichts mit. Sprecherin Petra Reetz betont nur, dass man nicht neu, sondern weiterbaue. Der Untergrund der Gleise, die vor zehn Jahren erneuert worden seien, habe sich als nicht stabil erwiesen, die Gleise hätten sich „immer wieder herausgeruckelt“. Sie verstehe, wenn Anwohner das „Empfinden“ einer ständigen Baustelle hätten. Es sei problematisch, wenn sich Arbeiten an Straßen, Gleisen und Leitungen immer wieder ablösten. „Die Koordinierung funktioniert einfach nicht.“ Die langfristige Planung für die Verlegung von Wasser-, Gas- und Telekom-Leitungen habe aber an der Berliner Straße in Weißensee „gut geklappt“.

Für die Anwohner der Kastanienallee kein Trost. Die Stimmung ist angesichts des Lärms und Staubs und der fehlenden Parkplätze schlecht, über den Grund der neuen Gleise sind sogar Gerüchte im Umlauf, etwa, das letzte Unwetter habe sie unterspült. Umleitungen sind verwirrend, immer wieder fragen Leute, wer wo in welche Richtung fährt. Für die Linien M1 und M12 wurde Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Auf der Straße werden BVG-Mitarbeiter beschimpft, die giften zurück. Manche aber trösten, dass die neuen Gleise mindestens 30 Jahre halten. Übrigens: Der Ärger für Anwohner ist programmiert. Im nächsten Sommer werden wieder Straßenbahngleise aufgerissen. Diesmal bis zur Fehrbelliner Straße. C. v. L.

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