Prenzlauer Berg : Eissportvereine kritisieren Umzug ins Velodrom

Künftig sollen im Velodrom in Prenzlauer Berg die Radfahrer am Rand ihre Bahnen ziehen, während in der Mitte Eishockeyspieler dem Puck hinterherjagen. Die Eissportvereine haben Bedenken.

Katrin Schulze

Auf den ersten Blick mag es etwas sonderbar anmuten. Eishockey und Radsport unter einem Dach? So eine Kombination ist eine Seltenheit. Doch der Senat sieht genau dies für das Velodrom in Prenzlauer Berg vor. Künftig werden die Radfahrer dort am Rand ihre Bahnen ziehen, während in der Mitte Eishockeyspieler dem Puck hinterherjagen. Für die Beteiligten stellt dies eine logistische Herausforderung dar – in erster Linie für den ECC Preussen, der seinen Hauptbetrieb von der Deutschlandhalle ins Velodrom verlegen muss. „Wir haben ernsthafte Bedenken, dass wir das als Verein stemmen können“, sagt Thomas Leonhardt. Der Vizepräsident des Eishockeyklubs sieht besonders den Nachwuchsbereich – drei Jugendmannschaften des ECC spielen in der Bundesliga – seines Klubs gefährdet, da das Velodrom seinen Athleten insgesamt etwa 100 Tage in der Saison aufgrund von Veranstaltungen nicht zur Verfügung stehen wird.

Grund für den Umzug der Eissportler ist die Schließung der Deutschlandhalle, in der sie bislang ihre Trainingseinheiten und Spiele absolvierten. Mindestens bis 2011 müssen sie ausweichen – dann soll die Halle an der Glockenturmstraße, die neue Heimspielstätte für die Preussen, fertig sein. Neben dem unregelmäßigen Trainingsbetrieb moniert der Klub auch die weite Anreise seiner Mitglieder aus Charlottenburg und anderen Stadtteilen im Westen – einige Kinder und Jugendliche haben sich bereits vom Verein abgemeldet. Der Senat allerdings lässt dieses Argument nicht gelten. „In einer Großstadt sei es zumutbar, mit der S-Bahn 30 Minuten zu einer Sporthalle zu fahren“, hat Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) einmal gesagt. 20 Jahre nach dem Mauerfall sei es müßig, über „zu kleine Karos“ wie Standorte im Ostteil oder Westteil der Stadt zu diskutieren. Der Senator geht nicht nur von einer attraktiven, sondern auch kostengünstigen Übergangslösung aus: Bau und Betrieb der Anlage kosten etwa 2,5 Millionen Euro. Eine weitere Nutzung der Deutschlandhalle würde sich dagegen auf etwa 2,9 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Eine Alternative zum Standort Velodrom scheint es somit nicht zu geben. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich daran nichts mehr ändert“, sagt ECC-Vizepräsident Leonhardt. Vielmehr geht es jetzt um eine sinnvolle Regelung des Trainingsbetriebs. „Wir bemühen uns um eine Einigung mit dem Eissport, aber unter diesen Umständen halte ich es für nicht machbar“, sagt Dieter Stein, Sportlicher Leiter des Sechstagerennes.

Das Hauptproblem liegt dabei wohl in der Beschaffenheit der aus sibirischer Fichte gefertigten Radsportbahn, die unter den veränderten Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit leiden könnte. Gerade mal sechs Meter trennen die Radbahnen von der Eisfläche, was bei zeitgleichen Trainingseinheiten zu Komplikationen führen könnte. Viel Zeit bleibt Radfahrern und Eissportlern nicht mehr, um für eine friedliche Koexistenz zu sorgen: Schon am 15. August soll mit dem Aufbau der Eisfläche im Velodrom begonnen werden.

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