Prenzlauer Berg : Falsche Post vom Amt: Anwohner zum Strahlentest zitiert

14.08.2010 20:28 UhrVon Jörn Hasselmann

Angebliche Behördenschreiben verunsichern Nachbarn in Prenzlauer Berg. Als Urheber wird die linke Szene verdächtigt. "Verwirrung stiften", das ist nach Einschätzung der Polizei das Ziel derartiger Aktionen.

Dass in ihrer Straße radioaktive Strahlung gemessen worden war, hatte die Anwohner in der Stargarder Straße schon erschreckt. Und das Schreiben, das sie jetzt in ihren Briefkästen fanden, machte die Sache nicht gerade besser. „Zum Ausschluss radioaktiver Verstrahlung und eventueller Langzeitschäden werden Sie aufgefordert, zur Vorsorgeuntersuchung im Bezirksamt zu erscheinen“, heißt es in dem Brief vom 10. August, unterzeichnet von der Gesundheitsstadträtin. „Zu dieser Untersuchung sind Sie verpflichtet. Bitte bringen Sie Ihren Personalausweisung mit.“ In Prenzlauer Berg war in der Stargarder Straße vergangenen Sonntag eine 100.000-fach erhöhte Strahlenbelastung im Asphalt gemessen worden.

Wie berichtet, hatten Arbeiter vor Jahren ein strahlendes Messgerät auf der Baustelle vergessen. „Der Brief ist eine Fälschung“, beruhigt das Polizeipräsidium. Bereits mehrere besorgte Anwohner hatten das scheinbar amtliche Schreiben auf der Wache abgegeben. Die Polizei hat Ermittlungen wegen „Amtsanmaßung“ eingeleitet, ein Straftatbestand. Da die Auflage des Schreibens nach Einschätzung von Polizei und Bezirk klein war, wurde auf eine öffentliche Richtigstellung verzichtet, hieß es gestern.

Bei genauem Hinsehen kann man die Fälschung erkennen: Im Briefkopf lautet die Internetadresse des Bezirksamts Pankow „www.ba-prenzlberg.de“ und in der Telefonnummer der Stadträtin ist ein Zahlendreher eingebaut. „Verwirrung stiften“, das ist nach Einschätzung der Polizei das Ziel derartiger Aktionen. Dass die Urheber – die wohl zur linken Szene gehören – ermittelt werden können, glaubt man im Präsidium nicht.

Auch in anderen Fällen blieben die Täter unerkannt. Ärger mit amtlich aussehenden Schreiben gibt es immer wieder: Vor wenigen Wochen bekamen beispielsweise Bauherren in Prenzlauer Berg Post von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Da sich die Gesetze geändert hätten, müsse das Projekt neu genehmigt werden. Das Schreiben wirkte sehr authentisch; es wurde Anzeige erstattet. Bei der Eröffnung des Tempelhofer Flugfelds schlugen der Fälscher ebenfalls zu. Anwohner wurden „informiert“, dass der Park nun doch nachts geöffnet werde und der Zaun abgebaut – alles falsch.

Beliebte Opfer sind die Bundeswehr und die Stadtreinigung. Vor Gelöbnissen wurde regelmäßig schriftlich Angst geschürt („Ausgangssperren für Anwohner“). Einmal fanden Berliner eine gefälschte Einladung zum Gelöbnis in ihrer Post. Und die BSR ärgert sich seit Jahren über Schreiben, mit denen sie angeblich zu Sperrmüllsammlungen aufruft.

Deutlich als Spaß erkennbar war hingegen die angekündigte Sperrung von Gehwegen vor Luxusimmobilien, damit die Eigentümer nicht gestört werden. Unterzeichnet war das Verbot von der „Senatsverwaltung für Innereien und Spott“.

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