Berlin : Prenzlauer Berg: Kollwitzplatz-Händler fühlen sich beiseite gedrängt

Ole Töns

Buntes Treiben zwischen noch bunteren Ständen - der Öko-Markt am Kollwitzplatz ist jedes Wochenende ein Treffpunkt für Leute aus dem Kiez. Gerade erst vor einem Jahr gegründet, ist der sonnabendliche Treff zwischen Verkaufständen und Kaffeehaustischen entlang der Wörther Straße eine Institution. Gesichtet werden hier laut Marktpächter Philip Strube regelmäßig nicht nur Bundestagspräsident und Anwohner Wolfgang Thierse (SPD), sondern auch die grünen Minister Joschka Fischer und Jürgen Trittin. Strube vermerkt das nicht ohne Stolz, betont aber, dass gerade hier darüber nicht soviel Aufhebens gemacht werden soll. Was ihn derzeit viel mehr beschäftigt, sind die letzten Nachrichten aus dem Bezirksamt. Fast ein Viertel der Marktstände soll demnach im September den gewohnten Platz räumen. Denn ein vorgartengroßes Rasenfleckchen an der Ecke Kollwitzstraße soll neu gestaltet werden. Und danach soll der Rand des Rasens für Stände tabu sein.

Jetzt fürchten Pächter und Händler um das ausgetüftelte Gefüge von Standplätzen und Angebotsmischung. Zwar hat die Bezirksverordnetenversammlung bei ihrer letzten Sitzung vor den Sommerferien beschlossen, dass der Markt in seiner jetzigen Größe erhalten werden soll. Doch die Lösung die der zuständige Stadtrat für Wohnen und Tiefbau, Horst Hartramph (CDU), daraufhin präsentierte, beruhigte den Marktpächter nicht. Die Händler erhielten eine Ersatzfläche auf dem Kollwitzplatz, sagte Hartramph. Auf dieser Basis werde man sich schon einigen, zeigte er sich optimistisch.

Strube sieht sich und die Händler als Opfer einer realitätsfernen Behördenentscheidung. 20 von rund 90 Ständen seien keine Kleinigkeit. Auch wirke der kaum vier Meter breite Bürgersteig auf dem Kollwitzplatz recht knapp bemessen. Die Betroffenen befürchten nun, dass das bedrohtist, was das Bezirksamt anfangs als Bedingung für die Einrichtung des Marktes gefordert hatte: kein Platz für Billiganbieter und Vorrang für lokalen Einzelhandel. Vom Umzug betroffen seien aber vor allem Anbieter von Biowaren und die Stände von Geschäftsinhabern aus der Umgebung.

Zuletzt deutete sich dann allerdings doch noch an, dass das Bezirksamt auf den BVV Beschluss hin noch einmal einlenken könnte: Wie die Umweltstadträtin Ines Saager (CDU) mitteilte, habe sie mit Hartramph, der derzeit im Urlaub ist, darüber gesprochen, dass künftig doch nicht alle Marktstände vom Rand der Grünfläche fernbleiben müssen. Lediglich ein Zugang soll demnach künftig zu der Grünfläche frei bleiben. Marktpächter Strube beteuert allerdings, dass er von dieser Möglichkeit bisher noch nichts gehört hat.

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