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Prenzlauer Berg : Polizei sperrt Kastanienallee für Hausräumung

Mit Hilfe der Polizei ist am Dienstagmorgen ein Gerichtsvollzieher zur Räumung eines Ladenlokals in der Kastanienallee angerückt. Jetzt klären Betreiber und Eigentümer, ob der Laden wirklich weg muss.

von und Janina Guthke
31. August 2010: Vor dem Haus Kastanienallee 86 versammeln sich früh morgens rund 50 Menschen. Sie wollen die Räumung des Umsonst-Ladens verhindern, der sich im Erdgeschoss befindet. Foto: GuthkeAlle Bilder anzeigen
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31.08.2010 14:2731. August 2010: Vor dem Haus Kastanienallee 86 versammeln sich früh morgens rund 50 Menschen. Sie wollen die Räumung des...

Ein Polizeihubschrauber kreist am Himmel, Polizisten mit Helmen säumen die Straße: Viele Bewohner der Kastanienallee blickten überrascht auf die Szenerie vor ihrem Fenster. Der Grund für die Polizeiaktion: Die angekündigte Räumung des Umsonst-Ladens in der Kastanienallee 86. Dafür hatte der Gerichtsvollzieher die Unterstützung der Polizei erbeten und erhalten.

Mit rund 150 Beamten sperrte die Polizei die Kastanienallee zwischen der Oderberger und der Schwedter Straße ab. Das hatte nicht nur für die direkten Anwohner Folgen. Viele warteten am Anfang und am Ende der Allee vergeblich auf ihre Tram, weil sie nichts von der Sperrung wussten.

Dem gegenüber standen rund 50 Bewohner und Unterstützer, die sich vor dem Gebäude zu einem Protestfrühstück versammelten. Trotz der drohenden Räumung war die Stimmung eher friedlich. Nach langwieriger Diskussion konnte der Gerichtsvollzieher gemeinsam mit den Anwohnern eine vorübergehende Lösung finden: Der Laden im Souterrain des Gebäudes wird für eine Woche versiegelt. An einem Runden Tisch wollen die Investoren mit den Bewohnern sowie Wolfgang Thierse von der SPD, Volker Ratzmann von den Grünen, und Stefan Liebich von der Linken über die Zukunft diskutieren.

So richtig zufrieden sind die Bewohner nicht. Wie es jetzt weitergeht ist unklar und auch an einen Erfolg des Runden Tisches wollen sie nicht so ganz glauben. "Das ist kein Erfolg", sagt Andreas Schmidt. So nennt sich ein Sprecher der Hausgemeinschaft. "Wir haben drei Jahre lang an Runden Tischen gesessen und noch kein Ergebnis", erzählt er. Das Vorgehen beim inzwischen dritten Räumungstermin bezeichnete Schmidt als "illegalen Akt". Die Bewohner pochen darauf, dass sie gültige Mietverträge hätte. Allerdings seien die nicht gerichtsfest, erklärte Schmidt. Der Räumungstitel des Gerichtsvollziehers beziehe sich auf drei Leute, die zwar im Souterrain wohnen, aber nicht die Besitzer des Ladens seien. Deshalb sei der Herr vom Amt schon zwei Mal wieder abgezogen, erklärte Schmidt. Nun habe das Landgericht beschlossen, dass in jedem Fall geräumt werden soll.

Die Polizisten entspannten sich schon während des Einsatzes deutlich. Die Helme wurden abgenommen und auch vom Hubschrauber war nichts mehr zu sehen. „Es handelt sich um ein polizeibekanntes Objekt und wir wussten nicht, wie viele Leute dem Aufruf zum Protest folgen werden“, erklärte der Polizeisprecher vor Ort. „Es hätten auch ein paar Gewaltbereite darunter sein können.“ Aus diesem Grund sei man vielen Beamten vor Ort. Die Sperrung der Kastanienallee zwischen der Oderberger und Schwedter Straße wurde gegen 10 Uhr langsam wieder gelockert. Fahrradfahrer konnten passieren. Inzwischen ist die Sperrung wieder aufgehoben.

Das ehemals besetzte Haus beherbergt unter anderem ein alternatives Wohnprojekt, ein Tuntenhaus und einen Umsonst-Laden. Dieser soll auf Betreiben der drei Hauseigentümer laut Gerichtsbeschluss geräumt werden, wozu es aber am Dienstag zunächst nicht kam. Seit 2004 ist das Haus in den Händen einer GbR. 1990 war es besetzt worden und hatte von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WiP Mietverträge erhalten. Um die günstigen Mieten erhalten zu können, lehnen die Hausbewohner Modernisierungen zum Großteil ab. Die Eigentümer zeigen sich insofern kompromissbereit, dass sie nur einen Teil der Dachgeschosse ausbauen wollen. Doch auch daran regt sich Kritik. "Wenn hier auf einmal Menschen wohnen, die teurere Mieten zahlen können und nicht zu unserer Hausgemeinschaft gehören, wird es schwierig", erklärt Schmidt.

Der Umsonst-Laden ist ein Projekt, dass sich gegen den kapitalistischen Grundgedanken wendet. Jeder kann überflüssige und nicht mehr gebrauchte Bücher, Haushaltsgeräte und ähnliches vorbeibringen. Statt Dinge zu verkaufen, gibt es für jeden Besucher bis zu drei Teile kostenlos. Erst vor einem halben Jahr war der Laden in die Kastanienallee 86 gezogen, nachdem die Brunnenstraße 183 geräumt worden war.

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