Prenzlauer Berg : Saubere Sache zum Zweiten: Anwohner putzen Arnswalder Platz

27.10.2012 00:00 Uhrvon
Platz-Putz. Schon im September reinigten Anwohner den Arnswalder Platz. Am heutigen Sonnabend treffen sie sich erneut. Foto: Georg Moritz
Platz-Putz. Schon im September reinigten Anwohner den Arnswalder Platz. Am heutigen Sonnabend treffen sie sich erneut. - Foto: Georg Moritz

Zum Tagesspiegel-Aktionstag putzten 60 Anwohner den Arnswalder Platz. Am Wochenende greifen die Nachbarn im Bötzowviertel erneut zum Besen - weil sich der Bezirk nicht kümmert.

Sie schnitten Rosen, rupften Unkraut, fegten Dreck zusammen. Mehr als 60 Anwohner kamen am Tagesspiegel-Aktionstag „Saubere Sache“ im September an den Arnswalder Platz im Bötzowkiez in Prenzlauer Berg. „Der Bezirk lässt den Platz verkommen“, sagt Carsten Meyer, Anwohner und Initiator der Putzaktion. An diesem Sonnabend um 13 Uhr treffen sich die Anwohner erneut am Brunnen in der Platzmitte.

„Wir wollen die Flamme am Kochen halten“, sagt Nachbar Stefan Gehrke. Denn am Aktionstag sei man nicht fertig geworden. Die ehrenamtlichen Aufräumer planen neben weiteren Putzaktionen ein großes Kiezfest mit Künstlern und Kreativen. Zudem wünschen sie sich ein Platzhaus, in dem Geräte und Arbeitsmaterialien gelagert werden können. Aus dem Stierbrunnen müsse endlich wieder Wasser sprudeln. Ein Rohr ist defekt, Risse im Naturstein sind wasserdurchlässig. Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung Jens-Holger Kirchner (Grüne) schätzt den Schaden auf 3000 Euro. Im kommenden Jahr werde der Brunnen wieder funktionieren, sagt er. Die Anwohner bekamen unterdessen eine 1000 Euro-Spende von einem einstigen Bewohner des Bötzowviertels, der nun in den USA wohnt, sagt Stefan Gehrke.

Die Initiative will das Gemeinschaftsgefühl im Kiez stärken und den Platz wiederbeleben. Erst vor zwei Jahren war der Arnswalder Platz für 1,3 Millionen Euro saniert worden. „Schön war es nur einen Sommer, dann verwilderte der Platz“, sagt Anwohner Gehrke. Der Brunnen hörte auf zu sprudeln, Müll blieb liegen, das Grün wucherte zu. „Die Politik kann uns nicht im Stich lassen. Viele hier sind erbost“, sagt Carsten Meyer. Schließlich sei der Bezirk für die Grünflächenpflege verantwortlich. Auch der für zwei Millionen Euro sanierte Wasserturmplatz verkomme zusehends.

In Briefen hatten sich die Anwohner bereits an Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) und den Regierenden Bürgermeister gewandt. Im Roten Rathaus verwies man auf die schlechte finanzielle Lage des Landes und die mit 5500 Hektar hohe Anzahl an Parks, Gärten und Plätzen in der Stadt. Man bemühe sich, „an touristischen Schwerpunkten ein gepflegtes Stadtbild zu erreichen“. Stadtrat Kirchner will mit den Aktivisten über die weitere Pflege und gegenseitige Unterstützung verhandeln. Der Bezirk habe weder Geld noch Personal für die Pflege. Derzeit seien zehn Spielplätze geschlossen, weil man die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleisten könne.

„Wir müssen nach neuen Wegen suchen, wie wir mit dem öffentlichen Grün umgehen“, sagt Kirchner. In der Oderberger Straße und im Schlosspark Buch übernehmen Bürger Patenschaften und werden dafür mit Bezirksgeldern für Ehrenamtliche unterstützt. Und im Blankensteinpark solle einem Verein eine Wiese für eine Hundeauslauffläche überlassen werden.

Infos zur Putzaktion: www.arnswalderplatz.de

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