Prenzlauer Berg : Unrettbar: 114 Bäume werden gefällt

31.10.2012 00:00 Uhrvon
Baumfällungen Foto: David Heerde
Anwohner protestieren gegen Baumfällungen. - Foto: David Heerde

In Prenzlauer Begr rattert wieder die Kettensäge: 114 kranke Traubenkirschen werden gefällt, als Ersatz 200 neue Bäume gepflanzt. In der Vergangenheit gab es bereits wüste Protestaktionen bei Baumfällungen.

114 an Wurzelfäule erkrankte Traubenkirschen will der Bezirk Pankow ab kommender Woche wegen gefährdeter Standsicherheit fällen – unter anderem am Falkplatz, in der Storkower und der Lychener Straße. Der Anwohnerprotest hält sich in Grenzen, wohl vor allem, weil ab Monatsende 200 Ersatzbäume, unter anderem Ulme und Rotahorn, gepflanzt werden sollen. Die benötigten 200 000 Euro kämen aus Sondermitteln, sagt Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Am Dienstagabend wollte der Bezirk über die Aktion im BVV-Saal in der Fröbelstraße informieren. Die „Freunde des Mauerparks“ sehen „keine Probleme“ und selbst Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel „akzeptiert“ die Krankheitsdiagnose, fordert aber „Erhaltungsmaßnahmen“ statt der Kettensäge.

Tino Kotte von der Bürgerinitiative „Rettet die Straßenbäume“ dagegen findet es sinnvoll, die Bäume zu fällen und Ersatz zu pflanzen. „Es gibt keine Alternative“, sagt Nabu-Geschäftsführerin Anja Sorges.

Wenn es um die Bäume geht, kochen die Emotionen in Prenzlauer Berg schnell hoch. Seit 2007 schauen die Kiezbewohner genau hin. Damals, sagt Tino Kotte, habe der Bezirk in einer „HauruckAktion“ Traubenkirschen gefällt. Drohten Fällungen, gab es fortan Protestaktionen, Baumfäller wurden wüst beschimpft. Als der Bezirk aus Geldmangel für Ersatz die Kronen der Traubenkirschen zurückschnitt, damit diese weniger windanfällig waren, protestierten Anwohner. Es gab sogar einen eigenen Arbeitskreis auf Bezirksebene für die Traubenkirschen. Das Problem mit ihnen ist hausgemacht: Als der Bezirk Ende der 80er Jahre hunderte von ihnen pflanzte, sei eine Sorte gewählt worden, die sich nicht als Straßenbaum eignete, sagt Karen Thormeyer von der „Grünen Liga“. Der Baum habe den harten Umwelteinflüssen, dem Hunde-Urin, dem Autoverkehr und dem harten Boden nicht standgehalten und sei krank geworden. Die etwa 200 verbliebenen Traubenkirschen sollen laut Kirchner gefällt werden, wenn Geld für Ersatz da ist. spa

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