Prenzlauer Berg : Dem Guggenheim-Lab folgt die Kunsthalle

14.07.2012 00:00 Uhrvon

In zwei Wochen schließt das temporäre Denklabor sein Provisorium in Prenzlauer Berg. Die Nachfolger haben ihre Container schon aufgestellt: Grenzgänger zwischen Kunst und Kommerz.

„Wir wollen Kultur verändern und weiterentwickeln“

Platoon besetzt die Schnittstelle zwischen Kunst und Kommerz. Die Kommunikationsagentur ist schließlich selbst ein gewerbliches Unternehmen. In Korea war man sogar als „Kreativagentur“ für den Sportartikelhersteller Adidas tätig. Dort baute Platoon vor drei Jahren die erste Kunsthalle aus Containern. Aber Frank ist eben auch ein Abgänger der Stuttgarter Kunstakademie und sagt: „Wir wollen Kultur verändern und weiterentwickeln.“ Marken seien identitätsstiftend für Jugendliche und Erkennungszeichen von Bezugsgruppen. Deshalb tragen die Hersteller auch eine Verantwortung für das Image, das sie schaffen. Andererseits saugen die Labels ihr Image aus Kunstszene und Subkultur. Diesen Prozess moderiert Platoon.

Video: Das Guggenheim-Lab

Guggenheim Lab

Dass die Vermählung von Kunst und Kommerz auch Einerlei gebären kann, auch dieser „Selbstreflexion“ unterziehen sich die Kreativschmiede und ihr Netzwerk von 6000 Mitgliedern: „Sellout – ist das Verhältnis von Kunst und Marken ein Ausverkauf?“ lautete der Titel einer Veranstaltung der Gruppe. Inwiefern Graffiti die Gentrifizierung vorantreibt, indem Straßenkünstler jenen Baugrund hip machen, der dann teuer verkauft wird, war eine weitere. Mit Zwischenrufen und Aktionen zu den Freiräumen der sozialen Stadt ist also auch aus der neuen Kunsthalle zu rechnen. Zumal sich Platoon damit gleichsam seiner hauseigenen Supervision unterzieht: Das erste Container-Quartier in der Weinmeisterstraße hatte die Menschen auf das Feld des berüchtigten Bauherrn des skandalumwitterten Spreedreiecks gelockt: Spekulant Harm Müller-Spreer hat dies inzwischen gewinnbringend bebaut.

Die Konstruktion der neuen Platoon- Basis stammt von Graft-Architekten, die in Berlin Mehrfamilienhäuser in der Torstraße, Villen in Biesdorf und auf der Pfaueninsel, den Boulevard der Stars und in den USA oder Asien Hotelbauten und Siedlungsprojekte realisiert haben. Wolfram Putz, einer der drei Graft-Köpfe sagt, außer einer „bautechnischen Expertise“ habe man zur Kunsthalle der „guten alten Freunde“ aber nicht wirklich viel beigetragen. Die Optik des Container-Tors im tarngrünen Military-Look ist eh schon das Markenzeichen der Kreativschmiede, die für ihre Halle in Korea den „Deutschen Designpreis“ erhielt. Putz nennt die Platoon-Container ein „prominentes Beispiel für die improvisierte Stadt“, die Berlin im Kern nun einmal sei. Sogar ein temporäres Schwimmbad hatte Platoon in Mitte in einem Container untergebracht: Wände verstärkt, Dach herausgeschnitten, Wasser eingelassen, Reinigungsanlage angeschaltet – sogar einen Bademeister gab es.

Und während sich die Ablösung des Labs formiert, zieht dessen Programm- Manager Lutz Henke positiv Bilanz: ein gemischtes Publikum aus allen Altersgruppen und erfolgreiche Vorträge etwa zu den „Grundlagen der Wahrnehmung“ nennt er – und auch den Streit um den Standort des Labs. „Wir können zufrieden sein“, so Henke, zumal sich die Früchte von Debatten und Diskussionen oft erst später zeigten. Ralf Schönball

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