Berlin : Pressestrand, Strandbar Mitte

Frank Jansen

Es musste ja mal sein. Bei langsam steigenden Temperaturen und mehr als einer halben Stunde Sonnenschein am Tag fühlte sich der drinking man genötigt, den zahlreichen Hinweisen auf ganz, ganz tolle Strandbars nachzugehen. Die eigene Begeisterung war mäßig, denn die Aussicht auf Ballermann in Berlin erschien so attraktiv wie der Besuch einer Touristenhöhle am Ku’damm. Doch ein compañero drängte sachte in Richtung „Bundespressestrand“. Also hin.

Das Areal ist groß, gleich auf den ersten Blick ist aber ein zentraler Nachteil zu erkennen: Der Bundespressestrand liegt nicht mehr am Wasser. Durch eine Straße von der Spree getrennt, wirkt die Sand-Bar-Bühne-Kulisse jetzt ein wenig deplatziert. Die zwei Minipools können den Verlust des Ufer-Ambientes nicht ausgleichen, auch der Blick auf die Klotzbauten des Regierungsviertels verliert bald seinen Charme. Dennoch waren die roten Liegestühle voll besetzt. Und im Hauptpavillon stand eine endlos scheinende Schlange vor dem Tresen, an dem sich eine verschwitzte Crew abrackerte.

Das Angebot an Cocktails ist äußerst dünn. Drinking man und compañero nahmen einen Bombay Crushed und einen Mojito, die beide nicht zu beanstanden waren. Angesichts des nicht enden wollenden Andrangs in Richtung Getränkeausgabe hat es für diesen Abend gereicht.

Nächster Versuch, diesmal mit der compañera. Die „Strandbar Mitte“, der Berliner Oldie, liegt an der Spree. Das ist schon mal ein großer Vorteil. Der Blick auf die Rückseite des eher düsteren Bodemuseums dämpft ein wenig das Wind-und-Wellen-Flair, aber es kommt ja ab und zu ein Dampfer mit Passagieren vorbei, die dann vom Strandbarstrand angejohlt werden. Womit schon Art und Masse des Publikums angedeutet wären: Bei gutem Wetter kommt auf 30 Sandkörner ein gut gelaunter junger Biertrinker. In erstaunlicher Vielfalt: Vom Punk bis zum Krawattenträger ist fast alles vertreten, was unter 35 ist und Bier liebt. Oder auch mal einen „Caipi“.

Beim Besuch von drinking man und compañera war keiner der blau-weiß-gestreiften Liegestühle mehr frei. Nur das hintere Achtel einer Bank neben einem gewaltigen Palmenbottich bot ein Plätzchen, das die compañera energisch verteidigte. Der drinking man kämpfte sich am dicht umlagerten Tresen zur Cocktail-Ecke vor und erhielt von einem unglaublich emsigen Kahlkopfkeeper zwei Getränke. Mojito und Caipirinha (mehr gab’s nicht) waren passabel, was angesichts der hastigen, freestyle-artigen Mixerei des Tresenmatadors nicht unbedingt zu erwarten war.

Na gut, Ballermann ist härter. Aber der drinking man gesteht: Nach dem Besuch des Bundespressestrands ist er noch ganz schnell auf einen Cocktail ins Riva (Dircksenstraße) gefahren. Da gibt es eine gepflegte, ruhige Terrasse. Ist doch auch draußen, oder?

Bundespressestrand, Kapelleufer 1, Mitte, Tel.: 28 09 91 19, täglich ab 10 Uhr; Strandbar Mitte, Monbijoustraße 3, Mitte, Tel.: 28 38 55 88, täglich ab 10 Uhr.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben