Berlin : Preußens Stern sank viel zu früh

Helmut Caspar

Als am 19. Juli 1810 Königin Luise von Preußen, geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, in Hohenzieritz starb, war die Trauer groß. Ihr Gemahl Friedrich Wilhelm III. und die Kinder waren untröstlich. Das Land, seit fast vier Jahren von den Franzosen okkupiert, versank in tiefe, echte Trauer.

Luise, der viel zu früh gesunkene Stern Preußens, wurde zur Legende. Sie genoss geradezu kultische Verehrung, zahllose Luisendenkmäler wurden aufgestellt, der um den Hals geschlungene Seidenschal wurde von vielen Frauen nachgeahmt, und der König stiftete einen nach der teuren Toten benannten Luisenorden. Aufgewachsen war das aus Strelitz stammende "Fräulein Husch" bei der Großmutter in Darmstadt, den preußischen Kronprinzen hatte es wirklich lieben gelernt, bei den oft politischen Ehen der europäischen Monarchen war derlei keineswegs die Regel. Am Berliner und Potsdamer Hof hatte sich Luise zur imposanten Erscheinung entwickelt und die Herzen ihrer Untertanen durch ihre freundlich-offene Art und einen eher bürgerlichen Lebensstil erobert. Nach Preußens katastrophaler Niederlage hatte sie sich bei Napoleon für den Bestand der von den Franzosen okkupierten Monarchie eingesetzt und war abgeblitzt.

Dies alles und auch, warum sie ein derart ungewöhnliches Nachleben hatte, ist Gegenstand des Buches von Friedrich Ludwig Müller. Ergänzend zu dieser vergnüglich und nachdenklich zu lesenden Studie erschien ein Begleitband anlässlich einer Ausstellung in Schloss Bad Pyrmont über die Kuraufenthalte der Königin, ihre Hofhaltung und Lebensgestaltung und schließlich ihr Nachwirken in der Literatur und Kunst.

Friedrich Ludwig Müller ist Chefredakteur der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz herausgegebenen Zeitschrift "Monumente", und so nimmt es nicht Wunder, dass sein Buch die Leser auch an jene Stätten in Frankfurt am Main, Darmstadt, Charlottenburg, Berlin, Potsdam und Paretz sowie in Mecklenburg-Strelitz führt, an denen Luise als Prinzessin und als Königin gute und schwere Jahre verbracht hat. Deutlich wird der Raubbau, den die immer frierende und kränkelnde Monarchin an ihrer Gesundheit betrieb. Sie gebar in 16 1/2 Ehejahren zehn Kinder. Das schwächte die Konstitution weiter. Die Ärzte waren machtlos. Bei der Obduktion der Leiche wurde ein Geschwür in der Lunge gefunden.

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