Berlin : Prima Krisenmanagement

toh / kt

Die U-Bahn wird bei ihren Benutzern auch künftig nicht als gefährliches Verkehrsmittel gelten - trotz häufiger Pannen, wie zuletzt am Donnerstag. Da hatte sich durch festgefahrene Bremsen an einem Zug der Linie U 5 Rauch entwickelt. Der Berliner Kommunikationsfachmann Imran Ayata zumindest ist überzeugt, dass die Fahrgäste der BVG treu bleiben. Ayata ist Vize-Chef der PR-Agentur Ahrens und Behrent und berät Unternehmen und Verwaltungen, die sich in kritischen Situationen befinden. "Die Menschen werden jetzt nicht mehr Angst vor dem U-Bahn-Fahren haben als vor dem Unfall", sagt er, "denn die BVG hat bisher immer alles richtig gemacht". Sie habe rasch informiert, darauf komme es an.

Schnell zu reagieren und sich an die Öffentlichkeit zu wenden sei in Ausnahmesituationen wie einem U-Bahn-Brand das Wichtigste, die Information an sich sei anfangs sogar nebensächlich. "Auch ist es in jedem Fall besser, zuzugeben, dass man zum Beispiel die Brandursache nicht kenne, als die Menschen beruhigen zu wollen und zu suggerieren, man habe alles im Griff", sagt Ayata. Gerade bei Fällen wie den U-Bahn-Unfällen, "wo Ängste im Spiel sind", dürfe man als Verursacher nicht "ebenso emotional reagieren". Als Beispiel für schlechtes Krisenmanagement nennt Ayata die Interviewserie der Fernsehmoderatorin Ulla Kock am Brink, die angesichts der gegen sie gerichteten öffentlichen Meinung im Streit um den Mann von Sabine Christiansen den "Wunsch hatte, als die Gute dazustehen", so Ayata. "Statt dessen lieferte sie mit jedem Pressegespräch neuen Stoff für öffentliche Vorwürfe."

"Die BVG ist nicht in einer Krise", sagt er, "aber eine zugespitzte Situation ist es schon." Es könne natürlich sein, dass Kunden vorübergehend wegblieben, aber auch die könnten die Verkehrsbetriebe wieder gewinnen, wenn sie zusätzlich informierten.

"Aber damit kein falscher Eindruck entsteht", sagt Ayata, "man kann ein Problem nicht wegkommunizieren." Als Mercedes das Modell A-Klasse beim Elchtest umkippte, hat der Konzern das Produkt verbessern müssen. Eine Werbekampagne oder Erklärungen hätten am schlechten Ruf des Wagens damals nichts geändert.

Trotz der Pannenserie: Unfälle sind bei der BVG nicht häufiger als in anderen Städten. Die Feuerwehr muss auch in Hamburg oder München drei- oder viermal jährlich nach einem Alarm bei der U-Bahn ausrücken. Meist sei in diesen Fällen ein Kabel an einem Wagen durchgeschmort, was zu einer mehr oder weniger starken Rauchentwicklung führen könne, sagte der Sprecher der Hamburger Hochbahn, Wolfgang Ivens. Im Oktober 2000 hatte allerdings ein Wagen auf freier Strecke auch Feuer gefangen. Die Sprecherin der Münchener U-Bahn, Bettina Heff, kann sich an gar kein Feuer bei der erst 1972 eröffneten U-Bahn erinnern. "Ab und zu" gebe es aber einen Schaden an Zügen durch durchgeschmorte Kabel.

Wichtig sei der vorbeugende Brandschutz, waren sich Ivens und Heff einig. So argumentiert auch die BVG. Die neuesten Züge in Hamburg haben sogar eine Sprinkleranlage. Schwer entflammbare Materialen sind Stand der Technik und werden in der Regel bei Umbauten auch in ältere Fahrzeuge eingebaut.

Der Wagen, bei dem am Donnerstag auf der Linie U 5 wahrscheinlich durch einen Schaden an der Druckluftleitung die Bremsen heiß gelaufen waren, war bereits mehr als 30 Jahre in Betrieb. Sicherheitsrelevante Teile würden aber stets überprüft und bei Bedarf erneuert, sagt U-Bahn-Betriebsleiter Kurt Beier. Die BVG hat den Kauf neuer Fahrzeuge derzeit gestoppt. Statt dessen lässt sie alte Wagen modernisieren.

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