Berlin : Prima Schmerz

Jens Karraß über Muskelkater und Schlimmeres

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Eigentlich soll Ihnen beim Erlebnis Ausdauerlauf nichts wehtun. Locker und leicht sollen Sie über weichen Fichtelnadelwaldboden schweben. Das gilt für den Einstieg in Ihre Laufkarriere, wo Sie mit wenigen Belastungen beginnend ganz behutsam den Umfang Ihrer Läufe steigern wie für Ihre derzeitigen, vielleicht schon anspruchsvolleren Einheiten.

Was aber, wenn Training oder Wettkampf Schmerzen bereiten? Keine Panik. Verlassen Sie sich auf Ihre Fähigkeit, „gute“ und „böse“ Schmerzen zu unterscheiden. Grundsätzlich ist Schmerz natürlich ein Zeichen dafür, dass etwas in Ihrem Körper nicht stimmt. Er ist also schlicht ernst zu nehmen.

Wenn Sie schon länger laufen, wissen Sie, dass immer dann, wenn Sie eine neue Stufe erklimmen, also länger oder schneller laufen als zuvor, am nächsten Tag die Beine schwer sind. Diese muskulären Reaktionen sind normal, gewollt, und wenn sie nicht häufig und anhaltend auftreten, der Beweis, dass Sie Ihrem Körper neue Reize anbieten. Vor diesem Muskelkater ist keiner gefeit – wer Gegenteiliges behauptet, outet sich als Easy-Jogger, der womöglich bald den Spaß am Laufen verlieren und an Fitness nichts gewinnen wird.

Was sind nun „böse“ Schmerzen? Sie bleiben viel länger als Muskelkater. Sie verändern sich nicht, werden eher schlimmer und sind deutlich zu lokalisieren. Sobald Sie so etwas spüren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und auf eine ordentliche Diagnostik drängen. Lassen Sie sich nicht einfach eine Kortison-Spritze verpassen, wie es leider oft vorkommt.

Es mag seltsam klingen, aber es gibt sogar positive Schmerzen: Wenn Sie im Wettkampf mit einem Tempo, das Sie sich nie zuvor zutrauten, über die Strecke sausen, wenn Sie weit vor dem Ziel wissen, dass das heute Ihr großer Lauf wird, dann genießen Sie die dumpfen Schläge in den Beinen sogar. Sie gehen bei jedem Schritt noch bewusster in die Bewegung, Sie konzentrieren sich ganz auf den tollen Rhythmus. Nichts ist unwichtiger als der Muskelkater morgen. Sie sagen einfach nur: Ja.

Jens Karraß, 36, war Spartakiade-Sieger, Deutscher Meister und gehörte 1991 zu den vier schnellsten Männern der Welt über 10 km auf der Straße. Er arbeitet als Personal Trainer und Fitnesscoach, leitet in Berlin den AOK-Frühstückslauf und ist seit 2000 Lauf-Botschafter für Unicef.

Mehr im Internet bei

www.jens-karrass.com

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