Berlin : Prima Sicht auf die Riesenvögel

In Schönefeld arbeiten die Lotsen im neuen Turm. Jetzt wurde die Eröffnung gefeiert.

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Schönefeld - Ihnen entgeht nichts. Aus gut 70 Metern Höhe beobachten die Lotsen auf ihrem neuen Turm den Flugverkehr in Schönefeld. Bei schlechter Sicht helfen ihnen Monitore, die ihre Bilder über zwei Radartürme erhalten, die derzeit gebaut werden. Bereits Ende März sind die Lotsen in den Neubau gezogen, der 37 Millionen Euro gekostet hat. Am Mittwoch wurde der Einzug offiziell gefeiert. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte dabei die Flugsicherung auf, die „Spielräume für Menschen und Umwelt schonende Flugrouten“ weiter zu nutzen.

Inzwischen haben sich die Lotsen an ihren neuen Arbeitsplatz gewöhnt, der ihnen eine völlig andere Sicht auf den Flughafen gebracht hat. Im bisherigen Turm sitzen nur noch wenige Techniker, die von dort aus die Systeme in Tegel überwachen. Sie ziehen nach der Eröffnung des neuen Flughafens am 3. Juni aus. Die Tegeler Lotsen kommen dann zum künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“ in Schönefeld.

Daran gebe es keinen Zweifel, sagte der Sprecher der Flugsicherung, Stefan Jaekel. Die neuen Routen seien in den Systemen für diesen Tag festgelegt, und sogar die Dienstpläne seien bereits darauf abgestimmt. 45 Fluglotsen und 14 Vorfeldkontrolleure werden dann zum Team der Deutschen Flugsicherung (DFS) gehören. Die Vorfeldkontrolleure sind neu, nachdem die DFS die Ausschreibung für diesen Dienst gewonnen hat. Bisher war die Flughafengesellschaft verantwortlich. Modernste Technik erleichtert den Lotsen die verantwortungsvolle Arbeit. Das frühere Hantieren mit Zetteln ist passé, jetzt lassen die Lotsen Stifte auf den Monitoren kreisen. Vier werden pro Schicht im Turm sein. Zum ersten Mal müssen sie dann auch parallele Starts und Landungen organisieren. Zwei weitere Mitarbeiter pro Schicht übernehmen die Vorfeldkontrolle. Insgesamt gibt es elf Arbeitsplätze hinter dem Spezialglas in der Kanzel.

In den Pausen können sich die Lotsen in einem Fitnessraum entspannen oder sich im Ruheraum erholen. Den Turm zu verlassen, ist nicht mehr so einfach wie früher. Im alten Turm, der nun abgerissen werden soll, konnten die Lotsen direkt zum Eingang fahren; jetzt sind sie auf einen Bus angewiesen. Auf den Bau eines zunächst geplanten Tunnels hat die Flughafengesellschaft aus Kostengründen verzichtet.

Errichtet ist der Turm mit seiner in einem Container untergebrachten Technik nach einheitlichen Plänen der DFS. Mit seinen 72 Metern ist er der zweithöchste nach Düsseldorf, der es auf 86 Meter bringt. Aber er ist immerhin einen Meter höher als der in Frankfurt (Main). Und darauf sind die Lotsen dann doch ein wenig stolz. Klaus Kurpjuweit

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