Prinzenbad : Pöbeleien vertreiben die Gäste

Die Stimmung im Prinzenbad ist gereizt. Jugendliche pöbeln und rempeln Badegäste an. Nun sollen Anti-Konflikt-Teams in Kreuzberg Abhilfe schaffen.

Matthias Oloew
Das Prinzenbad in Berlin-Kreuzberg
Das Prinzenbad in Kreuzberg. -Foto: dpa

Viele Stammgäste haben aufgegeben. Früher zogen sie im Kreuzberger Prinzenbad ihre Bahnen, heute ziehen sie das Treptower Badeschiff vor. Nicht mehr tragbar seien die Zustände im Prinzenbad, sagen sie und meinen die Rüpeleien von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. „Das Prinzenbad kippt“, sagt eine langjährige Stammschwimmerin.

Tatsächlich hat sich der Ton verschärft. Dauerduschende Jungs pöbeln und rempeln mit Badegästen, die auch mal duschen wollen. Junge Frauen können keinen Schritt tun, ohne dumm angequatscht und beleidigt zu werden. Dennoch halten sich die Gewaltausbrüche in Grenzen. Die letzte Messerstecherei im Prinzenbad ist zwei Jahre her. Badleiter Erhard Kraatz führt das auf sein rigides Regiment zurück: „Wer Ärger macht, fliegt raus.“ Von 83 Hausverboten, die er zurzeit ausgesprochen hat, treffen 81 Jugendliche mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund.

Die Flucht aus dem Prinzenbad ist indes kein neues Phänomen. Anne Momper zum Beispiel geht schon seit über 20 Jahren nicht mehr dort schwimmen. Damals wurden ihre Töchter andauernd angemacht, das reichte. Auch die Filmemacherin Bettina Blümner musste die Dreharbeiten zu „Prinzessinnenbad“ mehr und mehr außerhalb des Bades verlegen, weil ihre drei Hauptdarstellerinnen es leid waren, ständig beleidigend angesprochen zu werden.

Das Prinzenbad aufzugeben oder anderswo schwimmen zu gehen, kommt für den Stammgast und Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, aber nicht in Frage. Er ist zwei- bis dreimal pro Woche zum Frühschwimmen dort und sagt: „Ich halte es für falsch, in so einer Situation zu kuschen, und den Rüplern das Bad zu überlassen.“ Dann hätten sie ihr Ziel erreicht.

Stattdessen fordert er von den Bäderbetrieben und dem Senat, endlich eine Diskussion um die Ursachen anzufangen. Er vergleicht die Situation im Prinzenbad mit der in der Oranienstraße am 1. Mai. „Dort ist es gelungen, durch das Myfest und andere Aktivitäten, den Raum nicht mehr den Randalierern allein zu überlassen.“ Für das Prinzenbad fordert er Anti- Konflikt-Teams, die mehr tun als die Leute vom Sicherheitsdienst: „Sie sprechen mit den Jugendlichen und nehmen ihnen den Wind aus den Segeln.“

Diese Idee ist Bäder-Vorstand Klaus Lipinsky nicht neu: „So ein Projekt ist in Arbeit“, erklärt er, „ist in dieser Saison jedoch an rechtlichen Problemen gescheitert.“ Für den Sommer 2008 ist geplant, Anti-Konflikt-Teams mit Migrationshintergrund in den Bädern einzusetzen, die dafür sorgen sollen, dass die Botschaft bei der Krawallklientel ankommt: Respekt ist keine Einbahnstraße. Damit Straftaten vereitelt werden, haben die Bäderbetriebe die Berliner Polizei eingeladen, in den Sommermonaten ihren Betriebssport in die Bäder zu verlegen. Die Polizisten bekommen eine Bahn abgetrennt und laufen auf dem Weg zum Becken noch ein bisschen Streife – in Badehosen.

Für Lipinsky ist alles Reden über die Konsequenzen fruchtlos, so lange nicht über die Ursachen gesprochen wird. „Das ist kein Problem der Bäderbetriebe, sondern der Gesellschaft insgesamt.“ Und außerdem: „Was nützen Hausverbote, wenn die Jugendlichen nicht strafmündig sind, oder Anzeigen, die keine oder nur geringe Konsequenzen haben?“

Dass viele der verbliebenen Stammgäste noch keine Gewalt in ihrem Prinzenbad erlebt haben, liegt vor allem daran, dass sie, wie Volker Ratzmann, morgens schwimmen. „Da sieht man, dass unter den Schwimmern eine hohe Disziplin und Kultur herrscht, wenn die Becken voll sind, aber trotzdem jeder friedlich seine Bahnen zieht.“

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