Berlin : Private Bahnfirma steigt in den Ring

Connex will die S-Bahn-Strecke rund ums Stadtzentrum übernehmen – Züge sollen komfortabler und billiger werden

Klaus Kurpjuweit

Die S-Bahn bekommt Konkurrenz: Das französisch-deutsche Unternehmen Connex hat dem Senat angeboten, ab 2006 den Betrieb auf der Ringbahn zu übernehmen – günstiger und mit besserer Qualität, wie Connex-Geschäftsführer Hans Leister dem Tagesspiegel sagte. Connex betreibt bereits zahlreiche Bahnlinien in Deutschland.

Sollte das Unternehmen den Zuschlag erhalten und tatsächlich zu geringeren Kosten fahren als jetzt die S-Bahn, müsste der Senat weniger Zuschüsse zahlen und könnte das gesparte Geld für anderes ausgeben. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass die Fahrpreise sinken werden. Derzeit verhandelt der Senat über einen neuen Verkehrsvertrag mit der S-Bahn GmbH, der ein Volumen von rund 225 Millionen Euro haben soll. Während Stadtentwicklungssenator Peter Strieder einen langfristigen Vertrag abschließen will, plädiert Finanzsenator Thilo Sarrazin (beide SPD) für eine nur einjährige Laufzeit. Sarrazin hofft, dass mehr Wettbewerb mittelfristig den Zuschuss des Landes verringern wird.

Völlig überraschend hat Connex jetzt sein Angebot unterbreitet, welches unter den Kosten der S-Bahn GmbH liegen soll. Dieser war in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen worden, zu teuer zu sein. In der Bilanz hatte sie sogar – dank der Zuschüsse des Senats – einen Gewinn ausgewiesen, den die Muttergesellschaft Bahn kassierte. Jetzt werden diese Zahlen nicht mehr veröffentlicht. Durch das Connex-Angebot erhöhe sich nun der Druck, die Zahlen auf den Tisch zu legen, hoffen Alexander Kaczmarek von der CDU und Michael Cramer (Grüne).

Bisher galt es als unwahrscheinlich, dass es für den S-Bahn-Betrieb in Berlin eine Konkurrenz für die S-Bahn GmbH geben könnte. Für den hiesigen Betrieb müssen Fahrzeuge eingesetzt werden, die anderswo nicht fahren können. Connex will die für den Betrieb auf dem Ring benötigten Züge beim Haushersteller der S-Bahn produzieren lassen. Die Fahrzeuge wären aber moderner als die heute eingesetzten, verspricht Connex-Chef Leister. Sie sollen leiser sein und Klimaanlagen erhalten. Weil alle Radachsen angetrieben würden, wären die Züge außerdem schneller und könnten den Ring in weniger als einer Stunde umrunden. Die S-Bahn benötigt dafür derzeit 63 Minuten, was zu einem komplizierten Fahrplan führt.

Als eigene Werkstatt will Connex die Halle am S-Bahnhof Papestraße instand setzen, die nach Plänen der S-Bahn abgerissen werden soll. Personal auf den Bahnhöfen soll es nicht mehr geben; stattdessen soll in jedem Zug ein Servicemitarbeiter mitfahren.

Nur eins darf Connex nicht: sich S-Bahn nennen. Deshalb will die Firma als Ringbahn-Connex-Gruppe ihre Runden drehen.

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