Berlin : Private Sicherheitsunternehmen wollen Polizisten ersetzen

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Zwei Autos sind an einer Kreuzung zusammengestoßen. Der Schaden ist zwar nicht groß, er muss aber dennoch aufgenommen werden. Zu diesem Zweck erscheint ein Polizist mit einem Wachmann von einer privaten Sicherheitsfirma als "Assistent". So oder so ähnlich stellt sich der Unternehmer Hartwig Piepenbrock die Zukunft vor. Piepenbrock, der bei seinen Berliner Sicherheitsfirmen 1500 Mitarbeiter beschäftigt und dabei 1999 insgesamt 53 Millionen Mark Umsatz erzielte, kann sich weitaus mehr Aufgaben für seine Leute vorstellen. "Wir könnten der Polizei bei Geschwindigkeitskontrollen helfen oder technisches Gerät vorfinanzieren", sagte er am Freitag und verwies auf das Beispiel der Bundeswehr, die sich Geräte per Leasing von privaten Firmen beschaffe.

Piepenbrock sprach gestern auch von der Überlastung der Polizei, die nach dem Umzug des Bundes nach Berlin noch gewachsen sei. Hintergrund des Vorstoßes dürfte aber die Suche nach neuen Wachstums-Chancen sein. Außer Piepenbrock stehen die Großen der Branche längst in den Startlöchern, um Aufgaben der Polizei zu übernehmen.

Die Reaktionen fielen gestern skeptisch bis abweisend aus. Für die Senatsinnenverwaltung sagte deren Sprecher Stefan Paris, die Polizei könne hoheitliche Aufgaben wie die Aufnahme von Verkehrsunfällen schon aus rechtlichen Gründen nicht einfach an private Firmen übertragen. Für die Zukunft nicht ausgeschlossen sei aber der Schutz von Gebäuden oder Fuhrparks der Polizei durch private Wachfirmen.

Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind Piepenbrocks Ideen hoch gefährlich. "Mit diesem Angebot ist klar, dass kapitalstarke Unternehmen massiv in den lukrativen Markt für Sicherheit hineinstoßen", sagte der GdP-Landesbezirksvorsitzende Eberhard Schönberg und warnte "vor dem Bröckeln des staatlichen Gewaltmonopols" und vor einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft". Schönberg forderte den Senat auf, die Berliner Polizei endlich angemessen auszurüsten und damit die Diskussionen zu beenden.

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