Berlin : Privater Stromanbieter "Yello" ab dem 1. November auch in Berlin

Jörn Hasselmann

Frühestens zum 1. November könnten Berliner sich von der Bewag trennen und ihren Haushalt mit "Yello"-Strom betreiben. Nachteile hätte man keinesfalls, ausschließlich Vorteile, wirbt die geschulte, freundliche Stimme in der Telefon-Zentrale des neuen Strom-Anbieters Yello, der gestern eine breit angelegte Werbekampagne startete. Diese richtet sich vor allem an Privatkunden.

"Der Wechsel ist ganz einfach", wirbt der Yello-Mann: "Sie unterschreiben bei uns den Vertrag, und wir kümmern uns um den Rest." Das heißt vor allem, um die Abmeldung bei der Bewag. Der alte Stromzähler, beruhigen die Yello-Werber, könne an der Wand hängen bleiben. Yello, eine Tochter der Energie Baden-Württemberg, preist auch in Berlin seinen "19 / 19"-Tarif an, 19 Pfennig pro Kilowattstunde plus 19 Mark monatliche Grundgebühr; inklusive aller Steuern.

Verbraucherschützer jedoch bremsen die Begeisterung. Wer wechseln wolle, solle das Kleingedruckte genau studieren, warnen Experten. Denn Fixbeträge wie Zählergebühren oder andere Pauschalen könnten einen günstig erscheinenden Kilowattstunden-Preis verteuern. Die Leiterin der Verbraucherzentrale, Gabriele Francke, empfiehlt zu warten. Denn der Preiskampf sei gerade erst entbrannt. Viele Experten glauben, dass der Preis für eine Kilowattstunde ähnlich purzeln wird wie der für das Mobiltelefon.

Im Internet findet man unter www.stromtarife.de einen praktischen Vergleichsrechner. Dort kann man seinen jährlichen Verbrauch eintippen und sieht dann in Sekundenschnelle, was die Elektrizitätswerke dafür verlangen. Schnell wird dort klar: Je höher der Verbrauch, desto mehr lohnt sich ein Wechsel. Bei 4000 Kw/h, das ist der Durchschnitt eines Vier-Personen-Haushaltes im Jahr, spart ein Wechsel zu Yello 438 Mark. Für Alleinlebende, die mit 1100 Kw/h im Jahr klar kommen - das ist gut möglich - , lohnt sich der Wechsel nicht. Da ist Yello gerade einmal drei Mark billiger. Bei der Bewag kostet das Quantum derzeit 440 Mark.

Ungewiss ist noch, ob Yello überhaupt ihren Strom in die Berliner Steckdosen schicken darf. Die Kölner Stadtwerke haben schon erklärt, die Durchleitung zu verweigern, weil Yello Strom aus Frankreich und Österreich verkaufe. Zwar ist der Wettbewerb schon seit April 1998 möglich, allerdings fehlen noch eine Reihe von Vereinbarungen zwischen den Unternehmen. Bis zum 1. Oktober wollen sich die Verbände vor allem über die Modalitäten bei der Durchleitung von fremdem Strom einigen. Wie berichtet, hatte sich die Bewag kürzlich geweigert, Strom eines Konkurrenten durch ihre Kabel zu lassen.

Auch bei der Yello-Auskunft räumt man ein, dass zunächst die Verhandlungen mit der Bewag abgeschlossen sein müssen. Der 1. November sei der "frühest mögliche Termin". Wer zu diesem Termin dabei sein wolle, müsse bis zum 15. September einen Vertrag unterschrieben haben. Die Mindestlaufzeit liegt bei einem Jahr. Und diese vertragliche Bindung könnte sich als Bumerang erweisen. Zwar ist Yello derzeit konkurrenzlos günstig. Durch die Liberalisierung des Strommarktes dürften neue Angebote folgen. Und die Bewag will sich da nicht verschließen: "Wir senken definitiv noch 1999 unsere Preise", betonte ein Bewag-Sprecher.

Ohne Wechsel und ohne jeden Haken lässt sich übrigens sparen, wenn TV- und Videogeräte nicht im Bereitschaftsbetrieb laufen. Die kleinen roten Standby-Lämpchen kosten mehr Geld als man denkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben