Berlin : Privates Geld unerwünscht

Möbelhaus will Autobahnstück in Schöneberg selbst bezahlen – aber der Bund baut auf Staatskosten

Klaus Kurpjuweit

Ein Möbelhaus will in Berlin ein Stück Autobahn finanzieren, aber das Bundesverkehrsministerium nimmt das Angebot nicht an – „aus rechtlichen Gründen“, wie ein Sprecher erklärt. Gebaut wird jetzt auf Staatskosten. Immerhin soll der etwa 300 Meter lange Abschnitt weniger als eine Million Euro kosten. Er verbindet am Kreuz Schöneberg den Stadtring A 100 aus östlicher Richtung mit der Westtangente A 103 in Richtung Sachsendamm. So war es bereits in den 60er Jahren geplant, als die so genannte Westtangente noch bis nach Wedding weitergebaut werden sollte. Heute endet sie am Sachsendamm; ein Weiterbau ist nicht vorgesehen.

Der Autobahnknoten in Schöneberg ist bisher kein komplettes Kreuz, das Fahrten aus allen Richtungen in alle Richtungen ermöglicht. Die Verbindung zwischen der Stadtautobahn und der Westtangente war beim Bau des Knotens nicht mit errichtet worden, weil es dafür in den 70er Jahren keinen Bedarf gab. Der Stadtring Richtung Charlottenburg begann damals am Sachsendamm erst westlich der Bahntrasse, weil sich der Senat jahrelang nicht mit der Reichsbahn der DDR über den Autobahnbau unter den von ihr betriebenen Bahnanlagen einigen konnte.

Die Autobahn endete deshalb auf beiden Seiten jeweils vor den Gleisen; verbunden waren die Abschnitte durch den Sachsendamm. Wer Richtung Schöneberg fuhr, blieb deshalb auf dem Sachsendamm und fuhr an der Autobahn vorbei. Seit der Stadtring durchgängig befahrbar ist, müssen Autofahrer, die auf den Sachsendamm in Schöneberg wollen, deshalb bereits in Tempelhof an der Alboinstraße die Autobahn verlassen.

Und dies stört Möbel-Höffner. Das Unternehmen will auf dem Gelände der ehemaligen Radrennbahn ein Möbelhaus bauen. Um den Kunden die Anfahrt zu erleichtern, soll nun auch die bisher fehlende Verbindung vom Stadtring zur Westtangente gebaut werden. Dies hätte zudem für Möbel-Höffner den Vorteil, dass potenzielle Kunden nicht vorher in Sichtweite am Konkurrenten Ikea vorbeifahren müssten, der von der Ausfahrt Alboinstraße aus gut zu sehen und bequem erreichbar ist. Wer dagegen auf der tiefer gelegenen Autobahn vorbeifährt, kann das Ikea-Haus nicht sehen.

Für Möbel-Höffner ist der direkte Autobahnanschluss so wichtig, dass das Unternehmen die Kosten übernehmen wollte. Unter dieser Voraussetzung hatten auch die Planungen begonnen. Doch dann entschied das Bundesverkehrsministerium, das sonst durchaus nach Wegen einer privaten Mitfinanzierung auch bei Autobahnen sucht, den Neubau doch mit Steuergeldern zu bezahlen. Die Gesetzeslage lasse die Privatfinanzierung nicht zu, erklärte ein Sprecher.

Die Verbindung soll noch in diesem Jahr fertig werden. 1800 Autofahrer werden sie täglich nutzen, haben Gutachter berechnet. 25 bis 30 Prozent der Nutzer sollen Möbel-Höffner als Ziel haben. Wenn Autofahrer, die zum westlichen Sachsendamm wollen, dann bis zum „echten“ Kreuz Schöneberg fahren können und die Autobahn nicht mehr schon an der Alboinstraße verlassen müssen, würde auch der östliche Abschnitt des Sachsendamms entlastet, argumentiert die Stadtentwicklungsverwaltung. Sie befürwortet den Autobahnbau. Auf dem Sachsendamm sind täglich 45 000 bis 55 000 Autos unterwegs.

Damit sei der Bau der Verbindungsstrecke verkehrlich sinnvoll, unabhängig vom Neubau von Möbel-Höffner, sagte Petra Rohland, die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Zumindest die Planungskosten hat sich Berlin von dem Möbelunternehmen erstatten lassen.

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