Pro Reli : Auch das Wetter zählt

Am Sonntag, wenn Pro Reli zur Abstimmung steht, wird auf Berlin die Frühlingssonne scheinen. Temperaturen bis 24 Grad werden vom Wetterfrosch vorhergesagt. Zieht es die Berliner nach draußen oder stimmen sie trotzdem ab?

Am Sonntag, wenn Pro Reli zur Abstimmung steht, wird auf Berlin die Frühlingssonne scheinen. Blauer Himmel, vielleicht ein paar hübsche Federwölkchen und Temperaturen bis 24 Grad werden vom Wetterfrosch vorhergesagt. Fliehen die Berliner dann aus der Stadt, sitzen sie im Park und in den Biergärten – oder stimmen sie trotzdem ab? Das ist die bange Frage, die die Initiatoren des Volksentscheids seit Tagen bewegt.

Eine klare Antwort können ihnen aber weder die Meteorologen noch die Parteienforscher geben. Die Wetterfühligkeit der deutschen Wähler ist weitgehend unerforscht. Vereinzelte Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich höchstens zwei, drei Prozent der wahlberechtigten Bürger durch nasse Kälte oder trockene Hitze vom Urnengang abhalten lassen. Zumal die Möglichkeit, in der wohltemperierten Wohnung vor dem PC zu sitzen und via Internet die Briefwahl zu beantragen, immer mehr um sich greift. In Berlin liegt die Briefwahlquote seit Jahren, egal ob Europa-, Bundestags- oder Abgeordnetenhauswahl, bei über 20 Prozent. Beim Volksentscheid zu Tempelhof 2008 stimmten sogar 26,2 Prozent der Teilnehmer auf dem Postweg ab.

Sollte sich dieser Trend am Sonntag nicht umkehren, muss Pro Reli um den Erfolg bangen. Wenn die Antragsfrist zur Briefwahl heute endet, wird die Zahl der Briefwähler bei etwa 180 000 liegen. davon 60 Prozent aus den rein westlichen Bezirken. Bei Tempelhof waren es insgesamt knapp 240 000 Briefwähler. Rechnet man dies statistisch hoch, dürften nur etwa 30 Prozent der wahlberechtigten Berliner am Volksentscheid Pro Reli teilnehmen. Wenn es so kommt, müssten über 80 Prozent der Teilnehmer für Pro Reli stimmen, um das Abstimmungsquorum für die Jastimmen (ein Viertel der Wahlberechtigten) zu erreichen.

Am Ende zählt aber nicht die Statistik, und so hoffen sowohl Pro Reli als auch Pro Ethik auf eine hohe Mobilisierung. Beide Initiativen haben in dieser Woche zum Endspurt angesetzt, um die Berliner für ihr Anliegen zu mobilisieren. Das Bündnis Pro Ethik hatte am Mittwochabend zu einer Kulturveranstaltung unter dem Motto „Wir nehmen uns die Freiheit und werden Pro Reli stoppen“ ins Tempodrom geladen. Anwesend waren rund 400 Besucher und prominente Gäste wie die Entertainerin Desirée Nick, die kürzlich von Pro Reli zu Pro Ethik wechselte.

Neben diversen Veranstaltungen verteilte das Bündnis am Donnerstag und Freitag auf U-Bahnhöfen noch Informationsmaterial. Dezentral organisieren die Bündnispartner am heutigen Sonnabend weitere Informationsstände. „Wir sind guten Mutes, die Abstimmung am Sonntag für uns zu entscheiden“, sagte Pro-Ethik-Sprecher Gerhard Weil.

Ungetrübt ist auch der Optimismus bei Pro Reli. Die Initiatoren der Kampagne riefen am Donnerstag zum „Ja“-Gang auf und organisierten eine Demonstration mit mehreren hundert Teilnehmern auf dem Kurfürstendamm. Zudem lud Pro Reli Interessierte zu Diskussionsveranstaltungen ein. Am heutigen Sonnabend werden Kirchengemeinden und andere Unterstützer mit Materialien an Informationsständen noch um Unterstützer werben. Julia Sebastian, Sprecherin der Initiative, schätzt, dass stadtweit bis zu 40 Straßenstände aufgebaut werden. Am Sonntag werden beide Seiten nicht mehr öffentlich für ihr Anliegen werben. sib/za

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