Pro Reli : Meyer: Der Staat kann keine Ethik diktieren

Hans-Joachim Meyer, der Chef des Zentralkomitees der Katholiken, legt sich für Pro Reli ins Zeug. Und auch die Gegenseite wird aktiver.

Claudia Keller

Die Initiative Pro Reli geht drei Wochen vor dem Volksentscheid am 26. April in die Offensive. Am Dienstag sollen neue Plakate vorgestellt werden. Und mit einer Serie von Pressekonferenzen soll jede Woche ein neuer inhaltlicher Aspekt in die Debatte eingebracht werden. Gestern ging es um die unterdrückte Religiosität in der DDR als Argument für ein staatliches Pflichtfach Religion.

Dazu war Hans-Joachim Meyer eingeladen, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er kritisierte die „militante Religionsfeindlichkeit“ mancher Politiker der SPD- und Linksfraktionen, etwa von Carola Bluhm, der bildungspolitischen Sprecherin der Linken. Der Senat wolle mit dem Ethikunterricht einen „Ethik-Konsens“ diktieren. Meyer verglich dies nicht direkt mit der Staatsindoktrination in der DDR, stellte aber eine gewisse Nähe dazu her, indem er an die Religionsfeindlichkeit in den Schulen erinnerte, wo eine „Erziehungsdiktatur“ geherrscht habe.

Plakatschlacht um Pro Reli
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1 von 10Foto: Jörg Zeipelt
29.07.2009 08:29Großer Stern: Pro Reli legt nach. Am 14. April startet die Initiative eine weitere Plakatserie. Diesmal wird mit prominenten...

Dem stellte er die Freiheit der Bundesrepublik gegenüber. „Freiheit heißt Pluralität der Überzeugung“, sagte Meyer. Diese Freiheit sei erst dann verwirklicht, wenn die Schüler wählen könnten zwischen dem Fach Ethik und dem Fach Religion. „Aus unterschiedlichen Meinungen entsteht dann ein Konsens der Ethik. Das ist etwas anderes als der diktierte Ethik- Konsens im Ethikunterricht.“

Heftig kritisierte Meyer das Plakat, mit dem die Linken gegen den Religionsunterricht als Pflichtfach kämpfen. Es zeigt Dürers „Betende Hände“ mit dem Spruch „Religion ist freiwillig“. Dies suggeriere, den Kirchen gehe es um Zwang und um die Monopolstellung in den Schulen. Anliegen sei aber nicht, dass der Religionsunterricht freiwillig bleiben müsse, sondern dass der Ethikunterricht freiwillig werde. Das Plakat sei eine „Volksverdummung“.

Dass es auch innerhalb der Kirchen Personen gibt, die das Anliegen der Initiative Pro Reli kritisieren, scheint für Meyer kein Problem zu sein. „Nichts liegt mir ferner als ein Verständnis von Kirche, die bei politischen Fragen als geschlossene Kolonne durchs Land laufen muss.“ Man könne nicht von Freiheit reden und sie dann nicht ernst nehmen, wenn innerhalb der eigenen Kirchen verschiedene Meinungen vertreten werden. „Für mich gehören Freiheit und Politik zusammen.“

Und auch die Gegenseite wird aktiver: Pro Ethik erhielt gestern die Erlaubnis der BVG, in der U-Bahn werben zu dürfen, wie es Pro Reli bereits getan hat. Damit solle der „Eindruck der Parteinahme“ vermieden werden.

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