Berlin : Pro Toleranz: Die harten Jungs zeigen Gesicht

Ingo Wolff

Dass sich schwere, muskelbepackte Männer auf der Straße wehren müssen, kommt eher selten vor. Wenn sie allerdings dunkelhäutig sind, schützt selbst das Auftreten in der Gruppe nicht immer. So geschehen im vergangenen Mai, als einige Footballer von Berlin Thunder in Berlin von rechten Jugendlichen angepöbelt wurden. Besonders bitter an dieser Situation, dass die kräftigen Kerle nur wenige Stunden zuvor im Jahnstadion von den Berliner Fans noch lautstark bejubelt wurden.

Diese Begebenheit hat die Verantwortlichen von Thunder aufgeschreckt. General Manager Michael Lang entschloss sich deshalb, Aktionen gegen Rassismus zu unterstützen. "Wir wussten aber zunächst nicht, wo wir anfangen sollten. Als Sportler ist man da ein wenig unbedarft", sagt Lang. Schließlich entschloss sich die Thunder-Führung, mit der Aktion "Gesicht zeigen" zusammen zu arbeiten. Mit einem Foto-Kalender, bei dem der gesamte Verkaufserlös von 20 Mark in die Kasse der Aktion fließt, erhofft sich die Vereinsführung, ein entsprechendes Zeichen zu setzten.

Die Produktionsskosten von 70 000 Markt für die 3000 Kalender teilt sich Thunder übrigens mit den beiden anderen deutschen Vereinen der europäischen Football-Liga NFLE - den Frankfurt Galaxy und Rhein Fire Düsseldorf. Allerdings tragen die Berliner nicht nur den größten Anteil der Kosten, auch die Initiative ging von Berlin aus. Prominente wie Iris Berben, die Schwimmerin Franziska von Almsick, Moderatorin Maybrit Illner, Schauspielerin Katja Riemann oder Moderator Johannes B. Kerner wurden angesprochen und beim zwei- bis vierstündigen Foto-shooting mit Starfotograf Benno Kraehahn betreut.

Gestern wurde der neue Kalender nach drei Monaten Arbeit in Berlin offiziell vorgestellt. Zwölf Prominente sind jeweils mit einem Footballer und den berühmten schwarzen Streifen unter den Augen der Footballer in verschiedenen Umgebungen zu sehen. Doch der Kalender von Thunder bleibt nicht das einzige Zeichen gegen Rechts. Beim ersten Spieltag am 21. April im Jahnstadion sollen alle Zuschauer - selbst die VIP-Gäste - mit diesen schwarzen Augenstreifen, dem so genannten Eye Black, auf den Tribünen sitzten und so für Toleranz werben. Sie sollen Gesicht zeigen.

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