PRO & Contra : Alkohol am Alexanderplatz verbieten?

Pro:

Der Alexanderplatz ist einer der international bekanntesten und am meisten besuchten Plätze Berlins. Das verdankt er aber eher der literarisch fundierten Nostalgie als der Realität der Gegenwart – denn die ist zum Weglaufen. Zwar ist schon allerhand getan worden, um die unwirtliche Fläche menschenfreundlicher zu gestalten, die Geschäfte florieren selbst in abweisenden Bummel-Bunkern wie dem Alexa. Dass sich der Platz nun aber zum Treffpunkt von allerhand mehr oder weniger intensiv saufenden Jugendlichen entwickelt, läuft diesen Anstrengungen diametral entgegen.

Es ist schon seltsam: Einerseits lamentieren Politiker laut über jeden 14-Jährigen, der sich mit Wodka und Doppelkorn ins Koma schießt; andererseits zucken sie mit den Schultern, wenn das ausgerechnet dort geschieht, wo maximale Aufmerksamkeit und maximale Belästigung Außenstehender garantiert sind.

Nun wird niemand erwarten , dass eine neue Parkordnung mit Alkoholverbot das Problem des exzessiven Saufens unter Jugendlichen löst. Aber sie könnte, wenn sie mit Nachdruck durchgesetzt wird, zumindest diesen Ort entlasten, der nicht nur in Berlin, sondern auch von weit draußen kritisch beobachtet wird und für das Image der Stadt eine Rolle spielt. Und vielleicht lassen sich einige Jugendliche sogar davon überzeugen, dass öffentliches Komasaufen keine augenzwinkernd geduldete Stadtfolklore ist, sondern nervende Umweltverschnutzung. Bernd Matthies

Contra: Gewiss doch, man kann ein paar Sozialarbeiter zu den Jugendlichen auf den Alexanderplatz schicken, dort Gummibärchen verteilen und die Botschaft verbreiten: Man kann auch ohne Alkohol fröhlich sein. Das kann man wirklich! Genauso wie man mit Alkohol fröhlich, cool, harmlos, gut gelaunt und stundenlang Gast der großen Stehparty auf dem Alexanderplatz sein kann, ohne gleich eine Massenschlägerei anzuzetteln. Die Party dort ist der Inbegriff des Arm-aber-sexy-Berlin, das der Regierende Bürgermeister in weiser Vorausahnung der Finanzkrise und der Nicht-Reformierbarkeit des Berliner Arbeitsmarkts zum Leitbild der Stadt erhoben hat. Wer arm ist und sexy sein will, trinkt selbstgekauftes Flaschenbier im öffentlichen Raum.

Man kann bedauern, dass junge Leute auf die Begleitung einer Flasche Bier nicht mal beim Stadtbummel verzichten. Dann hofft man, dass sich das auswächst. Dass aber die Party auf dem Alexanderplatz nicht sein soll, ist komplett unverständlich. Dieser sehr berlinische, sehr großstädtische, sehr zugige, sehr literaturlastige und von einem wunderbaren Himmel überspannte Platz eignet sich perfekt für Großgruppentreffen. Angeblich fürchtet man im Bezirksamt Mitte, zechende Jugendliche schadeten dem Image der Stadt. Aber Berlin ist kein Kurort. Ein paar Mülleimer mögen sinnvoll sein – die bezirksamtliche Regulierungssucht nervt viel mehr als ein großes Teenagertreffen. Werner van Bebber

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